Familien- & Zeitgeschichte

Feuerwehr Wetter-Mitte

Die Geschichte des Brandschutzes in der Kernstadt Wetter reicht weit vor die heutige Freiwillige Feuerwehr zurück. Diese Seite konzentriert sich ausschließlich auf Wetter-Mitte und zeichnet die Entwicklung von der historischen Pflichtfeuerwehr über die erste Freiwillige Feuerwehr bis zur heutigen Einsatzabteilung nach.

Von der Pflichtfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr

Über Jahrhunderte beruhte der örtliche Brandschutz auf einer Pflichtfeuerwehr. Einen ersten klar belegten Einschnitt liefert das Protokollbuch des Stadtrates: Am 28. April 1883 beschloss der Rat, den Versuch zur Bildung einer freiwilligen Feuerwehr zu unternehmen und sich zugleich in Marburg nach der Anschaffung eines „Zubringers“ zu erkundigen. Die Feuerwehrchronik bezeichnet die daraus hervorgegangene Organisation als erste Freiwillige Feuerwehr Wetter und datiert sie auf 1883 bis 1889. Für die Zeit nach 1889 muss die genaue Organisationsform noch anhand der städtischen Akten weiter aufgearbeitet werden. Eine Führungsliste der Wehr nennt bereits 1883 Friedrich Klingelhöfer als Kommandeur und führt ab 1927 wieder namentlich Wehrführer auf.

Technik und Löschmittel – vom Handbetrieb zur motorisierten Wehr

Historische leichte Motorspritze LM 6 mit Mannschaft der Feuerwehr Wetter-Mitte
Die 1931 beschaffte LM 6 von Meyer-Hagen mit Feuerwehrleuten aus Wetter. Bildquelle: Feuerwehr Wetter-Mitte.

Die frühen Löschmittel vor der Motorisierung sind bislang nur lückenhaft online dokumentiert. Sicher belegt ist 1931 die Anschaffung der ersten Motorspritze: eine leichte Motorspritze LM 6 von Meyer-Hagen auf einem offenen Einachsanhänger. Die Feuerwehrleute zogen den Anhänger zunächst selbst zum Brandort.

Maybach Typ W3 der Feuerwehr Wetter-Mitte nach dem Umbau zum Mannschaftswagen
Der Maybach Typ W3 nach dem Umbau zum Mannschaftswagen. Bildquelle: Feuerwehr Wetter-Mitte.

Ende 1934 kam ein Maybach Typ W3 nach Wetter. Schmiedemeister Ludwig Schäfer und Schlossermeister Philipp Eichelbeck bauten den Personenwagen im Frühjahr 1935 zum Mannschaftswagen um. Mit seiner Anhängerkupplung konnte er nun auch die LM 6 ziehen – ein wichtiger Schritt von der handgezogenen zur motorisierten Feuerwehr.

Restauriertes schweres Löschgruppenfahrzeug LF 15 auf Mercedes-Benz L3000F
Das restaurierte LF 15 auf Mercedes-Benz L3000F. Bildquelle: Feuerwehr Wetter-Mitte.

Am 8. Oktober 1942 folgte ein schweres Löschgruppenfahrzeug LF 15 auf Mercedes-Benz L3000F. Schon gut ein Jahr später führte der Krieg das Wetteraner Fahrzeug weit über die eigene Stadt hinaus. Nach Wetteraner Überlieferung wurde das LF 15 nach dem verheerenden Luftangriff auf Kassel vom 22./23. Oktober 1943 zu den Löscharbeiten nach Kassel geschickt. Dass auswärtige Feuerwehren in dieser Nacht und am folgenden Morgen in die brennende Stadt ausrückten, ist auch für die Freiwillige Feuerwehr Marburg archivalisch belegt; deren erster Ferneinsatz führte unmittelbar nach dem Angriff nach Kassel. Für das Wetteraner Fahrzeug ist der Einsatz örtlich überliefert. Ebenfalls in Wetter erinnerte man sich daran, dass der Feuerschein des brennenden Kassel selbst von hier aus am Horizont zu sehen gewesen sei. Bei einer Luftlinienentfernung von rund 50 Kilometern vermittelt diese Erinnerung eine Vorstellung von der Dimension des Feuersturms, ohne aus der Erinnerung eine exakte Sichtmessung zu machen.

Einordnung: LAGIS – Schwerer Luftangriff auf Kassel, 22./23. Oktober 1943 · Vergleichsquelle: Stadtarchiv Marburg – Ferneinsatz der Feuerwehr Marburg in Kassel

Das LF 15 blieb bis 1970 im Dienst. Der vorhandene Unterstellraum unterhalb des Friedhofs war für das Fahrzeug zu klein, weshalb es zunächst in einem Stallgebäude, damals Haus Nr. 159 und heute Fuhrstraße 5, untergebracht wurde.

Fahrzeuge und Ausrüstung seit den 1960er Jahren

1963 beschaffte die Stadt ein LF 8 TS auf Opel-Fahrgestell mit zwei Motorspritzen von Metz – einer Vorbaupumpe und einer Tragkraftspritze. 1966 kam ein gebrauchter VW-Bus als Mannschaftswagen hinzu, der zugleich als „kleiner Schlauchwagen“ und mit Lautsprecheranlage als fahrbare Ortsschelle diente. 1968 ergänzte ein Pulverlöschanhänger P 250 mit 250 kg Löschpulver die Ausrüstung. 1969 folgte ein Ford Transit als Kommandowagen und Schlauchtransporter für 600 Meter B-Schlauch; 1979 wurde er durch einen weiteren gebrauchten Transit ersetzt.

Ein weiterer Entwicklungsschritt war der Gefahrgutschutz: Ein GW-G2 auf MAN 8.163 mit Heines-Aufbau, Bau-/Indienststellungsjahr 1995, war bis Dezember 2012 in Wetter-Mitte stationiert und diente der technischen Hilfeleistung bei Gefahrgutunfällen. Danach wurde das Fahrzeug im Gefahrstoffzug des Landkreises weiterverwendet. Der 2001 beschaffte MAN LE 180 C als GW-N konnte mit Rollcontainern unter anderem bis zu einen Kilometer Schlauchleitung transportieren.

Am 17. Oktober 1975 wurde ein TLF 16/25 auf Mercedes-Benz 1113 mit Bachert-Aufbau in Dienst gestellt; es blieb bis September 2001. 1979 kam ein Rüstwagen RW 1 auf Mercedes-Benz 911/Metz für die technische Hilfeleistung hinzu. Ein LF 16 auf Mercedes-Benz 1222/Metz folgte 1984. 1987 beschaffte Wetter-Mitte einen gebrauchten Mercedes-Benz 1113, zuvor RW 2 in Marburg, und baute ihn zum Gerätewagen-Nachschub um. Ebenfalls 1987 kam ein VW T3 als Einsatzleitwagen hinzu; später wurde er zum Mannschaftstransportfahrzeug umgebaut.

Der heutige Fuhrpark

Fuhrpark der Feuerwehr Wetter-Mitte im Jahr 2017
Fuhrpark der Kernstadtwehr im Jahr 2017. Bildquelle: Feuerwehr Wetter-Mitte.

Die moderne Ausstattung zeigt, wie stark sich die Aufgaben von der reinen Brandbekämpfung zur technischen Hilfeleistung, Führung, Logistik und überörtlichen Unterstützung erweitert haben. Zum Fuhrpark gehören heute unter anderem ELW 1, MTF, HTLF 20, TLF 4000, LF 20/16, DLA(K) 18/12, GW-N und seit Dezember 2025 ein Wechselladerfahrzeug.

Das HTLF 20 von 2001 führt 2.500 Liter Löschwasser mit und kombiniert Brandbekämpfung mit umfangreicher technischer Hilfeleistung. Das LF 20/16 von 2012 besitzt einen 2.000-Liter-Tank und umfangreiche Rettungs- und Atemschutztechnik. Das TLF 4000 von 2017 verfügt über 5.000 Liter Wasser, 500 Liter Schaummittel und eine Pumpe mit bis zu 2.800 Litern Förderleistung pro Minute. Die 2008 beschaffte Drehleiter DLA(K) 18/12 dient insbesondere der Menschenrettung. Das Ende 2025 in Dienst gestellte WLF mit Abrollbehälter Wasser ist Teil eines kreisweiten Konzepts für die mobile Löschwasserversorgung.

Die Feuerwehrhäuser

1960 eingeweihtes ehemaliges Feuerwehrgerätehaus der Kernstadt Wetter
Das 1960 eingeweihte frühere Gerätehaus, heute vom DRK genutzt. Bildquelle: Feuerwehr Wetter-Mitte.

Auch die Unterbringung spiegelt die technische Entwicklung wider. Für das 1942 beschaffte LF 15 reichte das damalige Gerätehaus unterhalb des Friedhofs nicht aus. 1960 wurde im Rahmen des Bezirksfeuerwehrtages ein neues Gerätehaus eingeweiht; dieses Gebäude wird heute vom DRK-Ortsverband Wetter genutzt.

Feuerwehrhaus der Feuerwehr Wetter-Mitte in der Dörnertsgasse
Das Feuerwehrhaus in der Dörnertsgasse. Bildquelle: Feuerwehr Wetter-Mitte.

Das heutige Feuerwehrhaus in der Dörnertsgasse wurde 1983 nach zwölf Monaten Bauzeit eingeweiht. Es besaß zunächst vier Fahrzeugboxen und eine Waschbox. Im Jahr 2000 entstand in Eigenleistung ein südlicher Anbau mit Besprechungs- und Betreuungsraum. 2006 wurde eine weitere Fahrzeughalle geschaffen; sie nahm den GW-N sowie zusätzliche Rollcontainer auf und schuf zugleich Raum im Hinblick auf die 2008 folgende Drehleiter.

Menschen und Mannschaftsstärke

Einsatzabteilung der Feuerwehr Wetter-Mitte mit Fahrzeugen im Jahr 2023
Einsatzabteilung und Fahrzeuge der Feuerwehr Wetter-Mitte, Aufnahme von 2023. Bildquelle: Feuerwehr Wetter-Mitte.

Die öffentlich zugängliche Mitgliederliste nennt im September 2026 59 aktive Angehörige der Einsatzabteilung. Für den Stichtag 31. Dezember 2025 weist der Jahresbericht 60 Aktive (51 Männer und 9 Frauen), 21 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung sowie 15 Mitglieder der Jugendfeuerwehr aus. Zum Vergleich: Für das Berichtsjahr 2018 sind 22 Jugendliche in der Jugendfeuerwehr und sieben Neuzugänge in der Einsatzabteilung dokumentiert. Damit liegen erste belastbare Zeitpunkte vor, auch wenn daraus noch keine lückenlose historische Mitgliederreihe gebildet werden kann.

Für historische Jahrzehnte liegen online bislang keine durchgehenden Mitgliederstatistiken vor; solche Zahlen sollen nur ergänzt werden, wenn sie durch Jahresberichte, Protokollbücher oder Archivunterlagen belegt werden können. Für den 31. Dezember 2025 sind dagegen genaue Zahlen veröffentlicht: Wetter-Mitte hatte 60 aktive Einsatzkräfte, davon 51 Männer und 9 Frauen. Hinzu kamen 21 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung und 15 Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Im Jahr 2025 rückte die Kernstadtwehr zu 77 Einsätzen aus und leistete insgesamt mehr als 6.500 Stunden in den verschiedenen Abteilungen.

Heute: Feuerwehr Wetter-Mitte

Wetter-Mitte bildet heute den Schutzbereich Mitte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wetter (Hessen). Die öffentliche Feuerwehr ist eine städtische Einrichtung; daneben unterstützt der Feuerwehrverein die Einsatzabteilung und die Jugendfeuerwehr. Damit sind öffentliche Feuerwehr und Förderverein organisatorisch voneinander zu unterscheiden.

Quellen

Grundlage dieser Darstellung sind insbesondere die öffentlich zugängliche Chronik sowie die Fahrzeug-, Gerätehaus- und Jahresberichte der Feuerwehr Wetter-Mitte und die Angaben der Stadt Wetter (Hessen). Für die Zeit vor 1883, die Phase nach dem Ende der ersten Freiwilligen Feuerwehr 1889 sowie historische Mannschaftsstärken sollen zusätzlich Stadtarchiv, Ratsprotokolle, Feuerwehrprotokolle und zeitgenössische Presse ausgewertet werden. Nicht belegte Jahreszahlen oder Mitgliederzahlen werden bewusst nicht ergänzt.