Familien- & Zeitgeschichte

Die Bussangs

Die Herkunft meiner Familie Bussang lässt sich bislang nur teilweise zurückverfolgen. Besonders die frühen Lebensumstände meines Großvaters Kurt Bussang, die Herkunft seiner Mutter Hedwig und die Rolle seines späteren Stiefvaters Adolf Bussang sind noch nicht vollständig geklärt.

Erinnerungen aus der Familie und historische Adressbücher liefern inzwischen erste Anhaltspunkte. Allerdings lassen sich diese Informationen noch nicht zu einem lückenlosen Lebenslauf verbinden. Gerade die zeitliche Abfolge der Ereignisse ist an mehreren Stellen unbekannt.

Hedwig und Kurts Herkunft

Für meinen Großvater Kurt Bussang ist der 16. März 1923 als Geburtsdatum überliefert. Seine Mutter war meine Urgroßmutter Hedwig. Ihr Geburtsname, ihr Geburtsdatum und ihr Geburtsort sind bislang unbekannt.

Mein Onkel Erich berichtete mir am 28. September 2026, Hedwig sei mit Kurt aus einem Ort gekommen, den er als „Görlitz/Oder“ in Erinnerung hatte. Welcher Ort damit tatsächlich gemeint war, ist noch ungeklärt.

Wann Hedwig und Kurt diesen Ort verließen und auf welchem Weg sie nach Westen kamen, ist bislang unbekannt. Auch ob sie gemeinsam oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten übersiedelten, lässt sich derzeit nicht feststellen.

Das tatsächliche Alter meiner Urgroßmutter Hedwig ist bislang unbekannt. Ob sie zur Zeit von Kurts Geburt einen eigenen Haushalt führte, bei Angehörigen lebte oder welche familiären Verhältnisse bestanden, lässt sich bisher nicht feststellen.

Damit fehlen wichtige Ausgangspunkte für die weitere Familienforschung: Hedwigs Herkunft, ihre Lebensumstände bei Kurts Geburt und der zeitliche Verlauf ihrer späteren Lebensstationen.

Kurt in Hann. Münden

Eine weitere Station in Kurts Lebensgeschichte war Hann. Münden. Nach der Familienüberlieferung lebte er dort zeitweise in einer Pflegefamilie. Wer diese Familie war, wann Kurt dort lebte, wie lange er blieb und weshalb er aufgenommen wurde, ist bislang unbekannt.

Für die zeitliche Einordnung gibt es eine weitere Familienerzählung: Kurt soll sich später, um heiraten zu können, drei Jahre älter gemacht haben. Sollte diese Erinnerung zutreffen, könnte sein tatsächliches Geburtsjahr 1926 statt 1923 gewesen sein. Ob sein Geburtsdatum tatsächlich verändert wurde, ist bislang nicht geklärt.

Unabhängig davon, welches der beiden Geburtsjahre zutrifft, erreichte Kurt während des Zweiten Weltkriegs ein Alter, in dem eine Heranziehung zum Kriegsdienst möglich war. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, ob er tatsächlich eingezogen wurde oder wo er sich während des Krieges aufhielt.

Für seinen Aufenthalt in Hann. Münden ist diese Unsicherheit bedeutsam. Er könnte bereits vor dem Krieg als Kind in einer Pflegefamilie gelebt haben. Ebenso ist ein späterer Aufenthalt denkbar. Ob die Unterbringung während des Krieges oder erst danach erfolgte, lässt sich derzeit nicht bestimmen.

Mein Onkel Erich erzählte außerdem von einer Frau, die an der Weserspitze in Hann. Münden einen kleinen Kiosk betrieb. Er kannte sie unter dem Namen „Ringeling-Oma“.

Ob diese Frau zur Pflegefamilie gehörte, mit Kurt verwandt war oder lediglich zu den Menschen zählte, die er in Hann. Münden kannte, ist nicht überliefert. Auch aus der Bezeichnung „Ringeling-Oma“ lassen sich weder ein Verwandtschaftsverhältnis noch ihr tatsächliches Alter ableiten.

Damit bleiben sowohl die Identität und die Lebensumstände der Pflegefamilie als auch die zeitliche Verbindung zu Kurts übrigen Lebensstationen ungeklärt.

Hedwig, Adolf Bussang und Köln

Hedwig heiratete später Adolf Bussang. Nach der Familienüberlieferung war Adolf nicht Kurts leiblicher Vater.

Erst nach Kurts Tod wurde innerhalb der Familie bekannt, dass Adolf ihn offenbar angenommen beziehungsweise adoptiert hatte. Welche rechtliche Form diese Annahme hatte, ist ohne entsprechende Urkunden nicht geklärt.

Über Adolf selbst ist bislang wenig bekannt. Sein Geburtsdatum, sein Alter und seine Herkunft sind ungeklärt. Ebenso fehlen Informationen darüber, wann er Hedwig kennenlernte und wann die beiden heirateten.

Für die Zeit um Kurts Geburt ist weder ein gemeinsamer Haushalt von Hedwig und Adolf nachgewiesen noch bekannt, ob Adolf damals bereits in ihrem Leben eine Rolle spielte.

Nach der Familienüberlieferung könnte Hedwig bereits seit den 1920er-Jahren in Köln gelebt haben. Wann sie tatsächlich dorthin kam, ist jedoch unbekannt.

Diese Angabe wirft weitere Fragen auf: Wie passt ein möglicherweise früher Aufenthalt Hedwigs in Köln zu ihrer überlieferten Herkunft aus „Görlitz/Oder“? Und wo hielt sich Kurt während dieser Zeit auf, insbesondere während seines Aufenthalts in Hann. Münden?

Die vorhandenen Erinnerungen geben darauf bislang keine eindeutige Antwort.

Kurt und seine Familie in Nordhessen

Kurt gründete später mit Irmgard Bussang, geborene Fuchs, geboren am 28. Juli 1926 in Grebenstein, eine eigene Familie.

Nach Erichs Erinnerung wünschte sich Hedwig, dass Kurt zu ihr nach Köln zog, um dort zu leben und zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kurt jedoch bereits seine eigene Familie.

Er entschied sich gegen den Umzug und blieb in Nordhessen.

Diese Erinnerung zeigt, dass die Verbindung zwischen Hedwig in Köln und Kurt in Nordhessen weiterhin bestand. Sie beantwortet allerdings nicht, wann sich ihre Lebenswege zuvor räumlich getrennt hatten oder wie die familiären Verhältnisse während Kurts Kindheit gewesen waren.

Meine Großeltern Kurt und Irmgard lebten in Grebenstein. Beide hatten mich sehr gern, und auch mein Großvater Kurt verbrachte viel Zeit mit mir. Wenn ich bei meinen Großeltern in Grebenstein war oder Kurt uns in Wetter besuchte, unternahm er häufig etwas mit mir. An viele dieser gemeinsamen Stunden habe ich heute keine so konkreten Erinnerungen mehr wie an manche Erlebnisse bei meinen Großeltern in Wetter. Die Zuneigung und die Vertrautheit, mit der mir Kurt und Irmgard begegneten, sind mir jedoch in Erinnerung geblieben.

Eine dieser Erinnerungen führt mich zu einer Tankstelle in Grebenstein. Sonntags ging mein Großvater Kurt mit mir dorthin zum Frühschoppen. Während er sich mit seinen Freunden traf und die Männer ihre Geschichten erzählten, interessierte mich etwas ganz anderes: Zur Tankstelle gehörte ein Schrottplatz, auf dem alte Autos standen.

Besonders zwei Fahrzeuge haben sich mir bis heute eingeprägt: ein Goggomobil und ein Porsche 356. Welche anderen Wagen dort noch standen, weiß ich nicht mehr. Für mich waren diese ausrangierten Autos jedenfalls viel interessanter als der Frühschoppen. Während mein Großvater sich unterhielt, saß ich in den alten Fahrzeugen und „fuhr“ damit in meiner Fantasie durch die Gegend. Irgendwann war der Frühschoppen vorbei, und wir gingen zurück zu Oma Irmgard zum Mittagessen.

Auch meine Märklin-Modelleisenbahn ist eng mit Kurt verbunden. Er unterstützte dieses Hobby über viele Jahre und schenkte mir jedes Jahr zu Weihnachten etwas für meine Bahn.

Über Kurts Berufsleben lässt sich inzwischen ebenfalls mehr erzählen. Er arbeitete bis zu seinem Tod bei der Kasseler Firma Schölch, einem traditionsreichen Karosserie- und Fahrzeugbaubetrieb in Bettenhausen. Dort war er an der Fertigung von Nutzfahrzeugaufbauten beteiligt.

Das Unternehmen war 1903 aus einer Stellmacherei hervorgegangen und hatte sich über Jahrzehnte zu einem angesehenen Hersteller unterschiedlichster Fahrzeugaufbauten und Sonderkonstruktionen entwickelt. Anfang der 1980er-Jahre beschäftigte Schölch rund 140 Mitarbeiter. Hinter diesen Zahlen stand die handwerkliche Arbeit von Menschen wie meinem Großvater, die mit ihrem Können und ihrer täglichen Arbeit zur Entwicklung und zum Ruf des Unternehmens beitrugen.

Besonders passend finde ich den Titel eines historischen Beitrags über die Firma: „Karosseriebau Schölch – Glanzleistungen des Handwerks“. Er beschreibt eine Arbeitswelt, zu der auch mein Großvater gehörte. Karosseriebau Schölch – Glanzleistungen des Handwerks.

Werbung der Firma Karosseriebau Schölch in der HNA vom 11. Dezember 1981
Werbung der Fa. Karosseriebau Schölch in der HNA von 1981
Foto: HNA Kassel, 11.12.1981

Kurt starb am 23. Dezember 1982 in Grebenstein, Irmgard am 12. September 2004. Über ihren Sohn Norbert führt die Familienlinie in meine Generation.

Die letzte Weihnachtsgabe meines Großvaters erhielt ich sogar noch nach seinem Tod: Zwei Tage nachdem Kurt völlig unerwartet gestorben war, bekam ich zwei Personenwagen für meine Märklin-Eisenbahn geschenkt, die von ihm für mich bestimmt waren.

Die Kölner Adressbuchfunde

Während die frühen Lebensstationen von Hedwig und Kurt bislang überwiegend aus Familienerinnerungen bekannt sind, lässt sich Adolf Bussang in Köln anhand historischer Adressbücher konkret nachweisen.

Im Kölner Adressbuch von 1958 findet sich Adolf Bussang, Arbeiter, Ringenstraße 20. Im Adressbuch von 1966 ist er unter der Keupstraße 39 in Köln-Mülheim verzeichnet.

Zwischen diesen beiden Nachweisen hatte Adolf somit seine Anschrift gewechselt.

Mein Onkel Erich bestätigte am 28. September 2026 die Keupstraße 39 als die ihm bekannte Adresse von Adolf und Hedwig. Als Sohn Kurts aus der Nachkriegsgeneration erinnerte er sich an diese spätere Anschrift.

Telefonbuchausschnitt mit dem Eintrag Adolf Bussang

Die Adressbuchfunde belegen Adolfs Aufenthalt in Köln zu diesen Zeitpunkten. Sie beantworten jedoch nicht, wann er erstmals dorthin kam oder seit wann Hedwig mit ihm zusammenlebte.

Weitere Namensträger in Köln

Bereits in den 1930er-Jahren findet sich in Kölner Adressbüchern ein Wilhelm Bussang, von Beruf Dreher, in der Ringenstraße 6.

Die Nähe zur späteren Anschrift Adolfs in der Ringenstraße 20 ist auffällig. Ob Wilhelm möglicherweise Adolfs Vater oder ein anderer Verwandter war, ist jedoch nicht belegt. Auch aus der zeitlichen Abfolge der Einträge lässt sich kein Verwandtschaftsverhältnis ableiten.

Ein weiterer Eintrag nennt Robert Bussang in der Wichheimer Straße 14. Auch hier ist eine Verbindung zu meiner Familie nicht nachgewiesen.

Bemerkenswert finde ich persönlich, dass mein eigener Sohn ebenfalls Robert heißt, obwohl mir dieser frühere Namensträger bis zu den Nachforschungen unbekannt war.

Adolf selbst konnte in den bislang untersuchten Adressbüchern der 1930er-Jahre nicht eindeutig identifiziert werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass er damals noch nicht in Köln lebte. Historische Adressbücher erfassten häufig nur bestimmte Personen eines Haushalts, insbesondere Haushaltsvorstände.

Ob Adolf damals bereits in Köln wohnte, bei Angehörigen lebte oder erst später dorthin kam, bleibt offen.

Für 1973 ließ sich Adolf beziehungsweise Hedwig anhand der bisher ausgewerteten Unterlagen nicht zuverlässig nachweisen.

Ältere Spuren des Namens Bussang

Unabhängig von meiner bislang bekannten Familienlinie ist der seltene Name Bussang in Hessen wesentlich früher nachweisbar.

Genealogische Quellen nennen Johann Christ Bussang, geboren um 1682, in Verbindung mit Apollonia Kunigunda Hirschhäuser.

Weitere Namensträger sind Johann Philipp Bussang (*1726 in Hirschhausen), Philipp Conrad Bussang (*1755), Johann Gottfried Bussang (*1793) und Johann Jakob Bussang im 19. Jahrhundert.

Eine direkte Abstammungsverbindung zwischen diesen Personen und meiner Familie ist bislang nicht nachgewiesen.

Auch der gleichnamige Ort Bussang in den Vogesen besitzt eine lange Geschichte. Frühere Schreibweisen waren unter anderem Bussan und Bossan. Michel de Montaigne verwendete 1580 auf seiner Reise die Form „Bossan“.

Eine sprachgeschichtliche Deutung führt den Ortsnamen möglicherweise auf einen germanischen Personennamen wie Bosso oder Busso und eine ältere -ingen-Endung zurück, aus der sich im französischen Sprachraum -ang entwickelt haben könnte.

Ob mein Familienname tatsächlich mit diesem Ort zusammenhängt, ist unbekannt. Ebenso wenig sind frühere Überlegungen zu einer Herkunft von Hugenotten oder Waldensern bislang durch Quellen belegt.

Die noch fehlenden Verbindungen

Die bisherigen Nachforschungen ergeben einzelne Stationen einer Familiengeschichte, deren zeitliche und familiäre Verbindungen noch nicht vollständig geklärt sind.

Hedwig und Kurt sollen aus einem als „Görlitz/Oder“ erinnerten Ort gekommen sein. Kurt lebte nach der Familienüberlieferung zeitweise in einer Pflegefamilie in Hann. Münden. Wann das geschah, ist ungeklärt. Auch die Erzählung über eine mögliche Veränderung seines Geburtsjahres muss erst anhand von Unterlagen überprüft werden.

Hedwig und Adolf lebten später in Köln. Für Adolf liegen Adressbuchnachweise aus den Jahren 1958 und 1966 vor. Wann die beiden zusammenkamen und welche Rolle Adolf in Kurts früher Lebensgeschichte spielte, ist weiterhin ungeklärt.

Kurt gründete seine eigene Familie in Nordhessen und blieb dort, obwohl Hedwig ihn später zu sich nach Köln holen wollte.

Die wichtigsten noch fehlenden Informationen betreffen Hedwigs Herkunft und ihre frühen Lebensumstände, Kurts tatsächliches Geburtsdatum, seine Pflegefamilie, den zeitlichen Verlauf seines Aufenthalts in Hann. Münden sowie Adolfs Herkunft und seine Verbindung zu Hedwig und Kurt.

Antworten könnten sich insbesondere aus Geburts- und Heiratsurkunden, historischen Melderegistern und möglichen Unterlagen zu Kurts Aufnahme in eine Pflegefamilie ergeben. Auch eine Verbindung zu Wilhelm oder anderen Kölner Namensträgern wäre erst anhand solcher Quellen zu überprüfen.

Entscheidend bleibt die Unterscheidung zwischen belegten Tatsachen, Familienerinnerungen und möglichen Zusammenhängen. Die überlieferten Erinnerungen sind wertvolle Ausgangspunkte für die weitere Forschung. Wo ihre Aussagekraft endet, muss das jedoch ebenso deutlich erkennbar bleiben.