Wetter: historische Hintergründe
Das Festspiel „Wetteranus est“ öffnet einen Blick auf die Geschichte Wetters. Diese Seite führt über die Bühnenhandlung hinaus: vom Dreißigjährigen Krieg und dem Stadtbrand über die Eisenbahn bis zum Luftkrieg 1945. Sie ist als fortlaufende historische Chronik angelegt. Wo Quellen unterschiedliche Ebenen beschreiben – zeitgenössische Überlieferung, spätere Forschung und Theater –, bleibt die Unterscheidung sichtbar.
1636: Krieg in Wetter und der Stoff des Festspiels
Wetter lag im Dreißigjährigen Krieg in einer von Durchzügen, Plünderungen und Krankheit gezeichneten Region. Der historische Stadtrundgang der Stadt Wetter berichtet, dass 1636 schwedische und niederhessische Truppen in der Stadt marodierten. Der Theater- und Festspielverein Wetter nennt für einen Überfall schwedischer Kürassiere den 5. Juni 1636.
Hier setzt „Wetteranus est oder: Das Vogelbärbchen“ an. Das Geschehen um das Vogelbärbchen, ihren verlorenen Sohn Augustin, Bürgermeister Croll und dessen Tochter Trude ist eine dramatische Erzählung im historischen Umfeld des Krieges. Die Stadt nennt das Stück ausdrücklich fiktiv. Dass Augustin Wetter auf der Bühne rettet, ist deshalb keine gesicherte Darstellung eines tatsächlichen militärischen Ablaufs. Das Festspiel macht die Erfahrungen von Bedrohung, Verlust und Wiedersehen anschaulich, ohne als Chronik im Wortlaut gelesen werden zu können.
1649: der große Brand – dreizehn Jahre später
Der große Stadtbrand gehört nicht zum Überfall von 1636. Er ereignete sich am 31. März 1649, nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Laut städtischem Stadtrundgang griff das Feuer von einer Bäckerei in der Unterstadt um sich. Die Stadt war durch die Kriegsjahre bereits geschwächt; der Brand war ein weiteres, eigenständiges Unglück.
Von den Wohnhäusern blieben nach der städtischen Darstellung nur drei Häuser am Marktplatz verschont. Auch die Kirche, die Pfarrhäuser und das Hospital überstanden das Feuer. Deshalb wäre die Aussage, in der gesamten Stadt hätten nur drei Gebäude überlebt, falsch. Die drei Häuser stehen gegenüber dem Rathaus und bilden beim Grenzegang einen Teil der historischen Kulisse des Festspiels. Das ältere Rathaus wurde zerstört; der heutige Bau an dieser Stelle entstand 1680. Erst um 1700 erreichte Wetter nach Angaben der Stadt wieder ungefähr die Einwohnerzahl von 1600.
1890: die Bahn erreicht Wetter
Mit der Bahnstrecke Sarnau–Frankenberg, heute als Burgwaldbahn bekannt, begann ein anderes Kapitel der Stadtgeschichte. Nach knapp zweijähriger Bauzeit wurde die Strecke am 1. Juli 1890 eröffnet. Auch Wetter erhielt einen Bahnhof. Der Wetteraner Stadtgeschichtsforscher Michael Engelbach beschreibt den damaligen Typenbau mit Dienstwohnung, Wartesaal und Güterabfertigung. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen bestätigt die Eröffnung der Strecke und die einheitliche Gestaltung der Bahnhöfe nach Entwürfen des Architekten Hentzen.
Die Eisenbahn band Wetter über Sarnau an die Strecke Richtung Marburg und über Frankenberg an weitere Verbindungen an. Bahnhof und Güterabfertigung stehen für eine Zeit, in der Mobilität und Warenverkehr das Leben im Wetschaftstal veränderten. Zu Bauarbeiten, beteiligten Menschen und der Entwicklung des Bahnhofs sollen weitere zeitgenössische Quellen ergänzt werden.
1945: Luftangriffe und ihre Folgen
Für den 1. Januar 1945 liegt eine ausführliche Dokumentation der Wetteraner Geschichtsfreunde vor: Georg Brössel, Der amerikanische Luftangriff auf die Stadt Wetter am 1. Januar 1945, „Spaziergang durch Wetter“, Nr. 15 (2005). Sie verbindet Auszüge aus der Schulchronik mit später aufgezeichneten Erinnerungen. Nach der dort wiedergegebenen Schulchronik fielen gegen 13:20 Uhr 48 Sprengbomben. Die Dokumentation nennt 15 Todesopfer, davon 14 aus Wetter und eine Besucherin aus Wollmar. Gebäude und Straßen im Stadtkern wurden schwer getroffen; Verletzte wurden unter anderem in der Klosterbergschule versorgt.
Damit lässt sich die vorläufige Erinnerung an „zwei Bomben“ für diesen Angriff nicht bestätigen. Der Autor hält ausdrücklich fest, dass der Neujahrsangriff weder der erste noch der letzte Luftangriff auf Wetter gewesen sei. Weitere Ereignisse, Daten und einzelne Abwurfstellen werden erst nach Prüfung geeigneter Quellen ergänzt. Die Einordnung der Angriffe und ihrer Opfer verdient eine eigene, sorgfältige Fortsetzung; auch die städtische Geschichtsübersicht erwähnt die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg.
Quellen und offene Forschung
- Stadt Wetter: Historischer Stadtrundgang – Ereignisse von 1636 und 1649, überlieferte Gebäude und Wiederaufbau.
- Theater- und Festspielverein Wetter: „Wetteranus est“ – Bezug des Festspiels zum Überfall von 1636 und zur Bühnenhandlung.
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen: Bahnhof Frankenberg und Michael Engelbach: Eisenbahn in Wetter – Streckeneröffnung und Wetteraner Bahnhofsgebäude.
- Wetteraner Geschichtsfreunde, „Spaziergang durch Wetter“, Nr. 15 (Januar 2005) – Georg Brössel, Dokumentation zum Luftangriff vom 1. Januar 1945; auf der Vereinsseite als PDF abrufbar.
Die Geschichte Wetters umfasst weitere Themen und Epochen. Diese Seite wird mit überprüfbaren Dokumenten, Ortsbefunden und ausdrücklich gekennzeichneten Erinnerungen erweitert. Zurück zum Grenzegang in Wetter.