Familien- & Zeitgeschichte

Wetter im Nationalsozialismus (1933–1945)

Diese Seite behandelt die nationalsozialistische Herrschaft in Wetter: Gleichschaltung, Ausgrenzung und Verfolgung, Veränderungen des öffentlichen Lebens sowie die Verantwortung lokaler Akteure. Der propagandistische Ausdruck „Drittes Reich“ wird nur als zeitgenössischer Begriff verwendet.

Machtübernahme und Alltag

Nach 1933 wurden demokratische Rechte beseitigt, Vereine und öffentliche Einrichtungen gleichgeschaltet und politische Gegner verfolgt. Auch in Wetter griff die nationalsozialistische Herrschaft damit in Verwaltung, Vereine, Schule, Kirche und den öffentlichen Alltag ein.

Jüdisches Leben und Verfolgung

Die Wetteraner Synagoge war 1896/97 errichtet worden. Die städtische Darstellung berichtet, dass bis 1942 alle jüdischen Mitbürger geflohen oder in Konzentrationslager deportiert worden waren. Die ehemalige Synagoge, der jüdische Friedhof und heute auch Stolpersteine machen diese Geschichte im Stadtraum sichtbar. LAGIS nennt 81 jüdische Einwohner im Jahr 1925; der Rückgang danach ist nicht als normale Demografie zu lesen, sondern im Zusammenhang mit Entrechtung, erzwungener Abwanderung, Vertreibung und Mord.

Eine überregionale Zusammenstellung nennt 40 in Wetter geborene oder längere Zeit dort ansässige jüdische Menschen als Opfer der nationalsozialistischen Vernichtung. Hinter dieser Zahl stehen einzelne Lebenswege, Familien und Nachbarschaften – Menschen, die zuvor zum Alltag der Stadt gehört hatten.

Wirtschaft und Gesellschaft

Die nationalsozialistische Herrschaft veränderte nicht nur die Politik, sondern auch Gewerbe, Beschäftigung, Schule, Jugendorganisationen, kirchliches Leben und schließlich den Arbeitsalltag während des Krieges. Enteignung, erzwungene Verkäufe, Verfolgung und Zwangsarbeit gehörten zu diesem System. Hinter nüchternen Verwaltungsbegriffen standen Menschen, deren Eigentum, Freiheit und vielfach auch Leben genommen wurden.

Quellen und Erinnerungsorte

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10. November 1938 – Verwüstung der Synagoge

In der Nacht nach den reichsweiten Novemberpogromen wurde auch die Wetteraner Synagoge angegriffen. Männer zerstörten den Toraschrein, warfen Fenster ein und zertrümmerten Mobiliar. Das Gebäude wurde wegen der dichten Nachbarbebauung nicht niedergebrannt. Die damalige „Oberhessische Zeitung“ berichtete am 11. November in der Sprache der NS-Propaganda über die Ausschreitungen; diese zeitgenössische Darstellung ist heute selbst eine Quelle für die öffentliche Inszenierung der Verfolgung.

Quelle: Stadt Wetter – Historischer Stadtrundgang · Zeitungsnachweis: Oberhessische Zeitung, 11.11.1938

1940–1942 – Friedhofsschließung und Deportation

1940 drängte der stellvertretende Bürgermeister auf die Aufhebung des jüdischen Friedhofs. Im Dezember ordnete der Regierungspräsident dessen Schließung an; anschließend wurde der Friedhof geschändet. Von den zu Beginn der NS-Zeit noch etwa 80 bis 90 jüdischen Einwohnern Wetters emigrierte ein Teil, die verbliebenen Menschen wurden 1942 über Marburg und Kassel deportiert.

Quelle: Dokumentation Jüdischer Gemeinden / Quellenzusammenstellung zu Wetter