Lebenserfahrungen · Familie · technische Prägungen

Technik war einfach da

Meine Kindheit bestand nicht aus einem vorgezeichneten Weg in die Technik. Aber Maschinen, Fahrzeuge, Eisenbahn, Werkstätten und Menschen, die ihr Handwerk verstanden, gehörten ganz selbstverständlich zu meinem Umfeld. Erst im Rückblick wird sichtbar, wie viele dieser Erfahrungen später wieder auftauchten.

Erinnerung und Einordnung. Diese Seite verbindet Familienfotos und persönliche Erinnerungen mit einer heutigen biografischen Einordnung. Wo ein Zusammenhang nur naheliegt, wird daraus bewusst keine nachträgliche Gewissheit gemacht.

Werkstatt, Eisenbahn und die Faszination des Funktionierens

Schreinerei und Sägewerk in Wetter

Werkstatt, Maschinenräume, Holzlager und Sägewerk gehörten zu meiner Kindheit ebenso wie die Menschen, die dort arbeiteten. Für mich war das Gelände zugleich ein riesiger Ort zum Entdecken und Basteln – mit Freiheiten und Gefahren, die heute kaum noch vorstellbar wären.

Märklin und die große Eisenbahn

Mein Großvater Kurt schenkte mir früh eine Märklin-Zugpackung mit der Dampflok 3000 und Güterwagen; dazu kam ein Schienenbus mit Beiwagen, wie er auf der Strecke Marburg–Frankenberg zum Alltag gehörte. Die kleine Bahn und die reale Eisenbahnwelt lagen für mich ungewöhnlich nah beieinander.

Die Schreinerei und das Sägewerk – Abenteuerspielplatz in Wetter

Die Schreinerei und das Sägewerk meiner Familie waren für mich als Kind Arbeitsplatz, Werkstatt, Entdeckungsraum und Abenteuerspielplatz zugleich. Holz, Werkzeuge und Maschinen gehörten selbstverständlich zu dieser Umgebung – ebenso Freiheiten und Risiken, die heute kaum noch vorstellbar wären.

Die persönlichen Erinnerungen an diesen Ort – vom Späneturm und den Loren bis zu den aus heutiger Sicht gefährlichen Kindheitserlebnissen – werden auf der Seite Kindheitserfahrungen – Aufwachsen in Wetter zusammengeführt. Die eigentliche Geschichte des Betriebs, der Familien Völk und Dörr, der Gebäude und Maschinen bleibt davon getrennt auf der Seite Schreinerei und Sägewerk Dörr/Völk in Wetter.

Eisenbahn – vom Modell zum Führerstand

Mein Vater war damals in leitender Funktion im Bahnbetriebswerk Marburg tätig. Am Sonntag, dem 16. September 1979, meinem siebten Geburtstag, durfte ich auf der Fahrt von Marburg nach Frankenberg im Führerstand mitfahren und unter Aufsicht eines Kollegen meines Vaters selbst bedienen. Die erhaltenen Dias zeigen die DB-Diesellokomotive 216 101-6.

Die vollständige Bildfolge und die persönliche Erinnerung an diese Geburtstagsfahrt stehen auf der Seite Kindheitserfahrungen – Aufwachsen in Wetter.

Die Märklin-Bahn wächst mit – von Wetter bis Hofgeismar

Was mit der Märklin-Zugpackung meines Großvaters Kurt und einer NOCH-Fertiggeländeplatte begann, wurde im Lauf der Jahre eine große Modelleisenbahn. Auch meine Großmutter Irmgard unterstützte mein Hobby: Sie besorgte Schienenmaterial von Nachbarn und schenkte es mir. Kurt schenkte mir über Jahre hinweg immer wieder Zubehör zu Weihnachten. Selbst nach seinem unerwarteten Tod am 23. Dezember 1982 erhielt ich noch zwei Personenwagen, die er für mich vorgesehen hatte.

Ab 1987 durfte ich im Keller des neuen Hauses meiner Eltern selbst erweitern. Mein Vater baute nur den Grundrahmen von etwa 1,50 × 1,20 Metern. Den stellten wir neben die vorhandene NOCH-Fertigplatte, sodass die Anlage insgesamt ungefähr drei Meter lang und 1,20 Meter tief wurde. Mit Irmgards zusätzlichen Schienen entstand ein zweiter Bereich mit Kopfbahnhof und Betriebswerk samt Lokschuppen – nach dem Vorbild dessen, was ich aus Marburg durch meinen Vater kannte.

Die großen Anlagen von Helmut Brössel und Manfred Priemer hatten mich beeindruckt, besonders ihre Schattenbahnhöfe, in denen Züge verschwanden. Deshalb baute ich aus Gips einen großen Berg als Fortsetzung des kleineren Berges der NOCH-Platte. Darunter verbarg sich eine Wendeschleife: Die Züge konnten verdeckt wenden und auf die alte oder neue Platte zurückkehren oder einfach zwischen den Bahnhöfen verkehren.

Als mein Jugendzimmer im Dachgeschoss fertig war, zog die Bahn mit nach oben. Ich erweiterte sie erneut, bis sie einen großen Teil des Zimmers einnahm. Zwischen Schränken, Schreibtisch, Bett und Modelleisenbahn blieb nicht mehr viel Freiraum.

Später wurde die Anlage in Hofgeismar für meinen Sohn Robert noch einmal erheblich größer. Sie belegte praktisch die gesamte Länge des Dachbodens – nach meiner Erinnerung mindestens sieben Meter, bei etwa 1,20 Metern Tiefe. Die Strecken wurden so lang, dass die Spannung abfiel und Lokomotiven in entfernten Abschnitten stehen blieben. Ich musste deshalb zusätzliche Stromeinspeisungen verdrahten. Robert war damals ungefähr drei Jahre alt und werkelte und spielte schon mit.

Die Bahnplatten und das Material sind bis heute erhalten: Die ursprüngliche NOCH-Platte mit den späteren Hofgeismarer Erweiterungen liegt dort auf dem Dachboden, die beiden ersten Erweiterungen blieben in Wetter. Schienen, Fahrzeuge und Häuser sind gut verpackt auf dem Dachboden in Baunatal und warten auf bessere Tage. Im Moment beschäftigt sich niemand mit dem Spielzeug. Robert fährt inzwischen echte Lokomotiven, und ich bin dafür mittlerweile wohl schon lange zu alt. 😉 Vielleicht wird eines Tages wieder damit gespielt.

Autos in der Familie – Begeisterung und Rost

Mein Vater schwärmt bis heute vom Ford Capri. Meine Kindheitserinnerung daran ist gemischter: Das schwarze Kunstleder konnte im Sommer mit kurzen Hosen ausgesprochen schmerzhaft werden.

ca. 1969/70–1976

Ford Capri

Beim Umzug von Kassel nach Wetter verursachte mein Onkel Manfred („Manni“) beim Wenden einen schweren Frontschaden. Mein Vater ließ den Wagen reparieren. Nach seiner Erinnerung versicherte Ford um 1972, mit modernen Reparaturmethoden sei spätere Korrosion kein Thema mehr. Doch der Rost kam schon kurze Zeit später massiv zurück.

Die Sommerbilder mit dem Capri entstanden in Waidring in Tirol. 1976 wurde der Wagen ersetzt.

1976–Anfang 1989

Ford Taunus 2,0 V6 in Signalorange

Der neue Taunus wurde nach den Erfahrungen mit dem Capri intensiv gepflegt und sehr lange gefahren. Dennoch wurde auch bei ihm Korrosion später zu einem erheblichen Thema.

ab Ende der 1980er

Der vollverzinkte Audi 80

Nach Capri und Taunus wollte mein Vater das Rostproblem konstruktiv gelöst wissen. Onkel Kurt, gelernter Kfz-Mechaniker und Mitarbeiter im VW-Werk Baunatal, bestellte einen Audi 80 1,8 S als Werksangehörigen-Jahreswagen mit der gewünschten Ausstattung. Die Vollverzinkung war für meinen Vater ein bewusstes Kaufargument.

Kfz-Wissen in der Familie

Onkel Kurt

Kurt hatte Kfz-Mechaniker gelernt und ging anschließend zu Volkswagen ins Werk Baunatal. Über ihn kam später auch der Audi 80 1,8 S meines Vaters in die Familie.

Onkel Erich

Erich lernte Kfz-Mechaniker bei DKW und wurde später Busfahrer. Von ihm übernahm ich viele Hinweise zum materialschonenden Fahren – etwa einen Wagen erst schonend warmzufahren.

Die ersten eigenen Autos: dieselben Probleme aus eigener Erfahrung

1990 kaufte mein Vater für mich meinen ersten Wagen, einen Ford Escort Baujahr 1980. Dass der Motor bereits defekt war, wussten wir beim Kauf noch nicht. Mein Vater ließ den Escort anschließend beim Autohaus Röß in Burgwald-Ernsthausen überprüfen. Dort wurde der Motorschaden festgestellt.

Den nächsten Wagen, einen Audi 80 Baujahr 1980 mit geringer Laufleistung aus dem Besitz einer Seniorin, kaufte ich während meiner Ausbildung selbst. Nach rund zwei Jahren mussten die Schweller vollständig ersetzt werden, damit der Wagen noch einmal TÜV bekam. Rostende Kotflügel bearbeitete und lackierte ich selbst; die Korrosion kam jedoch bald wieder.

Das Ende dieses Audi kam auf einer Langstrecke von Wetter nach Lüneburg zu Onkel Erich. Der Motor verbrannte während der Fahrt praktisch die gesamte Ölfüllung. Erich schimpfte zunächst, vor einer solchen Fahrt müsse man den Ölstand kontrollieren. Das hatte ich getan – vor der Abfahrt war er voll.

Zwei Werkstätten – gleichwertiges Vertrauen

Gute Werkstätten waren für mich nie bloß Orte, an denen ein Auftrag abgearbeitet wird. Zwei Betriebe haben dieses Verständnis besonders geprägt. Sie stehen für unterschiedliche Lebensphasen, nicht für eine Rangfolge.

Autohaus Röß · Burgwald-Ernsthausen

Mein Vater arbeitet nach meiner Erinnerung seit etwa 1972 mit dem Autohaus Röß zusammen. Für mich wurde die Werkstatt zunächst beim Escort und später beim Tempo Matador wichtig. Gerade in den Anfangsjahren half das Fachwissen der ausgebildeten Kfz-Mechaniker entscheidend dabei, den Matador wieder zulassungsfähig zu machen.

Bei einer späteren TÜV-Fahrt lautete mein Auftrag an Herrn Röß sinngemäß:

„Mach den Matador fertig für den TÜV, reparier alles, was anfällt, und ruf an, wenn er die neue Plakette hat.“

Ein Arbeitskollege hielt diesen Blankoauftrag für riskant. Röß tat genau das Gegenteil von dem, was er befürchtete: Schmierdienst und Öl waren fällig, Reparaturen nicht. Der Matador erhielt die Plakette anstandslos und die Rechnung blieb ausgesprochen günstig.

Autohaus Urff · Niedenstein-Wichdorf

Später fand ich mit dem Autohaus Urff wieder einen Betrieb, dem ich dasselbe Vertrauen entgegenbringen kann. Der Kontakt begann mit einer Reparatur meines damaligen Passat und einem Käfer ohne Motor auf dem Hof. Aus einem Scherz darüber entstand das Gespräch über meinen etwas anderen Volkswagen – den Tempo Matador mit VW-Technik.

Auf kleinere Arbeiten zum gegenseitigen Kennenlernen folgten größere Projekte. Besonders wichtig ist mir, dass dort nicht nur der von mir genannte Fehler abgearbeitet wird, sondern auch frühere Fehlmontagen durch Erfahrung, Logik und Nachdenken erkannt werden.

Das bislang größte gemeinsame Projekt war der Umbau vom VW 1200 mit 34 PS auf einen neuen VW 1600 mit 47 PS. Nicht alles, was im Volkswagen passt, lässt sich im Tempo unverändert verwenden. Die Werkstatt löste auch diese Besonderheiten überzeugend. Einem Tempo-Paar aus Nordhessen habe ich Urff empfohlen; nachdem eine andere Werkstatt nicht zum Ziel gekommen war, wurden dort die tatsächlichen beziehungsweise zusätzlichen Probleme gefunden und die geplante Schwedenreise gerettet.

Der Bogen bis zum neuen Passat

Mein neuer Passat wurde am 20. Dezember 2020 ausgeliefert. Unmittelbar nach den Betriebsferien ließ ich ihn im Januar 2021 bei Urff mit Dinitrol umfassend von innen nachkonservieren – vorsorglich, bevor Korrosion überhaupt sichtbar werden konnte.

Im Rückblick lässt sich eine lange Erfahrungslinie erkennen: vom nach dem Unfallschaden rostenden Capri über den intensiv gepflegten Taunus, den bewusst vollverzinkten Audi meines Vaters und meine eigenen Erfahrungen mit Escort und Audi 80 bis zum vorsorglich konservierten Neuwagen.

Oh jeh – von wegen, ich entscheide das alles selbst! 😉

Bei meinen Nachforschungen über meinen Großvater Kurt Bussang entdeckte ich eine Werbeanzeige seines damaligen Arbeitgebers, des Kasseler Karosseriebaubetriebs Schölch, aus dem Jahr 1981. Schölch warb darin ausgerechnet mit Rostschutz nach dem Dinol-Verfahren. Jahrzehnte später ließ ich meinen neuen Passat mit Dinitrol konservieren, ohne von dieser Verbindung zu wissen. Ob mein Großvater selbst mit dem Verfahren gearbeitet hat, ist nicht bekannt. Aber dass mir ausgerechnet diese Anzeige begegnet, ist schon ein bemerkenswerter Zufall.

Was davon geblieben ist

Die Verbindung zwischen Kindheit und späterem Berufsleben soll nicht nachträglich konstruiert werden. Dennoch taucht ein Grundmuster immer wieder auf: Technik verstehen, Fachwissen respektieren, Ursachen statt nur Symptome suchen und Menschen vertrauen, die ihr Handwerk nachweislich beherrschen. In der Schreinerei, bei der Eisenbahn, an alten Autos, beim Matador und später in IT, Netzwerk und Security begegnet mir dieses Prinzip in sehr unterschiedlichen Formen.

Robert – seine eigene Geschichte

Zu meinem Leben gehört selbstverständlich auch mein Sohn Robert, der in Hofgeismar geboren wurde. Ich habe ihn sehr gern und freue mich, dass er inzwischen seinen eigenen Weg geht. Heute lebt er in Frankfurt und befindet sich in seiner Ausbildung.

Wer auf diesen Seiten nach weiteren Einzelheiten über Robert sucht, wird allerdings nur wenig finden. Das ist eine bewusste Entscheidung. Während ich hier meine eigene Lebensgeschichte mit vielen persönlichen Erinnerungen, Erlebnissen und familiären Zusammenhängen dokumentiere, möchte ich mit der Geschichte meines Sohnes zurückhaltender umgehen.

Robert steht noch am Anfang seines eigenen Lebens als Erwachsener. Welche Erfahrungen, familiären Erinnerungen und Lebensstationen er einmal öffentlich machen möchte, soll er selbst entscheiden können. Ich möchte nicht, dass er irgendwann im Internet persönliche Dinge über sich findet, die ich aus meiner Perspektive erzählt habe, die er selbst aber vielleicht lieber für sich behalten hätte.

Es ist meine Lebensgeschichte, die ich hier erzähle – nicht seine. Ob Robert seine eigene Geschichte eines Tages ebenfalls erzählen möchte und in welcher Form, bleibt ganz allein ihm überlassen.

Eine kleine Überraschung hielt die Familienforschung dennoch bereit: In einem alten Kölner Adressbuch entdeckte ich einen früheren Namensträger namens Robert Bussang, von dessen Existenz ich zuvor nichts gewusst hatte. Dass mein eigener Sohn ebenfalls Robert heißt, ohne dass mir dieser historische Eintrag bei seiner Namensgebung bekannt gewesen wäre, gehört zu jenen merkwürdigen Zufällen, die mir bei der Beschäftigung mit meiner Familiengeschichte immer wieder begegnen.

Redaktioneller Stand: 29.09.2026 · Persönliche Erinnerungen und Familienüberlieferung werden als solche behandelt; dokumentarisch belegte Angaben bleiben davon unterscheidbar.