Familie · 1920 bis heute

Eine Familiengeschichte
über mehr als ein Jahrhundert

Keine bloße Ahnenliste, sondern erlebte Geschichte: Familie, Arbeit, Krieg, Nachkriegszeit, Tiere, Technik, Reisen und Erinnerungen, die bis in die Gegenwart reichen.

Zwei Familien

Zwei Familien, eine spätere gemeinsame Geschichte

Auf der väterlichen Seite stehen die Familien Bussang, Fuchs und Neth, auf der mütterlichen Seite Dörr und Dehnert. Ihre Wege führen über Köln, Grebenstein, Hombressen, Wetter und Bottrop. Manche Daten sind durch Urkunden belegt, anderes stammt aus persönlichen Erinnerungen und Familienüberlieferungen. Beides wird hier bewusst unterschieden.

Kurt und Irmgard

Kurt Bussang wurde am 16. März 1923 geboren und starb am 23. Dezember 1982 in Grebenstein. Während des Krieges lebte er nach Familienüberlieferung zeitweise in einer Pflegefamilie in Hann. Münden. Irmgard Bussang, geborene Fuchs, wurde am 28. Juli 1926 in Grebenstein geboren und starb dort am 12. September 2004.

Stephan Bussang mit seiner Großmutter Irmgard Bussang
Mit Oma Irmgard an ihrem 70. Geburtstag am 28. Juli 1996.

Heinrich und Maria

Heinrich Dörr wurde am 8. April 1924 in Wetter geboren und starb am 29. Mai 1983. Maria Dehnert, später Dörr, wurde amtlich am 30. August 1926 geboren und starb am 6. Juli 2022. Krieg und Nachkriegszeit prägten beide Lebenswege nachhaltig.

Heinrich Dörr

Mein Opa Heinrich – Schreinermeister, Großvater und Erzähler

Mein Großvater Heinrich war für mich zunächst einfach mein Opa. Als Kind konnte ich nur schwer erkennen, wie sehr er sich zum Ende seines Lebens bereits verändert hatte. Rückblickend weiß ich, dass er schwer psychisch erkrankt war. Er war nicht mehr derselbe stolze und souveräne Schreinermeister, der er früher gewesen war.

Wir spielten gemeinsam Mühle. Verlieren konnte mein Großvater schlecht. Wenn die Partie für ihn brenzlig wurde, konnte es passieren, dass er ganz „versehentlich“ an den Tisch kam und sich die Stellung der Spielsteine dadurch erledigt hatte. Als Kind nahm ich solche Dinge anders wahr als heute: Er war mein Opa.

Daneben gab es sehr schöne gemeinsame Erlebnisse. Wir wanderten durch den Burgwald bis zum Christenberg. Dabei erklärte er mir, wie man Baumarten erkennt, woran man sieht, ob ein Baum krank ist, und welche Merkmale wichtig sind. In der Schreinerei beachtete er mich, aber er war beschäftigt und hatte wenig Zeit für Kinderbetreuung. Gerade deshalb waren die Wanderungen zu zweit etwas Besonderes.

Ich wurde sein „Reporter“

Heinrich erzählte mir oft von seiner sowjetischen Kriegsgefangenschaft und seiner Flucht, die er mit der Gegend um den Ararat verband. Heute vermute ich, dass das wiederholte Erzählen vielleicht auch der Verarbeitung diente; wissen kann ich das nicht. Sicher erinnere ich mich: Es war ihm wichtig, dass seine Geschichte nicht vergessen wird.

Ich war technikbegeistert und hatte einen Kassettenrekorder. So wurde ich gewissermaßen zum Reporter meines Großvaters. Heinrich diktierte mir seine Erlebnisse auf Kassette: die Flucht aus der sowjetischen Gefangenschaft, den Weg, den er mit dem Ararat verband, das Erreichen Polens, sein dortiges Aufgreifen und die Rückkehr in sowjetische Gefangenschaft. Er war damals bereits schwer krank.

Damals saß ich als Kind mit dem Kassettenrekorder vor meinem Großvater. Heute suche ich nach seinen Akten und versuche zu klären, welche Teile seiner Erzählungen sich historisch belegen lassen.

Die letzten Jahre

Heinrich befand sich zum Schluss auch stationär in psychiatrischer Behandlung. In der Familie blieb die Erinnerung, dass sich sein Zustand während beziehungsweise im Zusammenhang mit diesem Aufenthalt eher noch verschlechterte.

Warum, lässt sich rückblickend nicht sicher beurteilen. Heute erscheint mir eine Möglichkeit bemerkenswert: Nach Krieg, Gefangenschaft, Flucht und erneuter Gefangennahme könnte es für ihn besonders belastend gewesen sein, seine vertraute Umgebung verlassen zu müssen und wieder in einer Institution zu leben, die er nicht einfach verlassen konnte. Ob Heinrich dies selbst als eine Art erneute „Inhaftierung“ empfand, weiß ich nicht. Das ist meine heutige Vermutung, keine überlieferte Aussage von ihm.

Mein Cousin Markus, der Heinrich aufgrund seines Alters kaum selbst kennenlernen konnte, hielt 2014 eine weitere Familienperspektive fest. Auch dort wird Heinrichs schwere psychische Erkrankung beschrieben und mit den Kriegserlebnissen verbunden. Diese Deutung ist als Familienüberlieferung wichtig; eine medizinisch gesicherte Ursache folgt daraus allein nicht.

Auch die überlieferte mögliche Zugehörigkeit Heinrichs zur SS beziehungsweise Waffen-SS wird weiter archivisch untersucht. In der Familie wurde erzählt – und nach meiner Erinnerung auch von Heinrich selbst –, dass er aufgrund seiner Körpergröße dorthin gekommen sei. Einheit, Zeitpunkt und genaue Umstände sind bislang offen.

Dass Chrischona beziehungsweise die evangelische Stadtmission Heinrich wichtig war, kann ich aus eigener Erinnerung bestätigen. Markus beschreibt darüber hinaus die regelmäßige „Stunde“, Gebetsgruppen und Heinrich als Brüderrat. Maria dagegen mochte nach meiner Erinnerung die „Stunde“ nicht. Diese unterschiedlichen Perspektiven gehören zur Familiengeschichte.

Maria Dörr

„Nie wieder Krieg!“

Maria habe ich als grundsätzlich fröhlichen Menschen in Erinnerung. Wenn sie vom Krieg erzählte, änderte sich der Ton. Eine Botschaft wiederholte sie immer wieder: „Nie wieder Krieg!“

Ihre Erzählungen von Luftalarm und Bomben vermittelten mir als Kind vor allem eines: Wenn eine solche Gefahr eintritt, diskutiert man nicht lange, sondern befolgt die Anweisungen, um eine Chance zu haben, zu überleben. Erst viel später wurde mir bewusst, wie tief solche Erzählungen möglicherweise wirken können.

Eine Besonderheit betrifft bereits Marias Geburtsdatum. In der Familie wurde ihr Geburtstag am 28. August begangen. Auch am 28. August 2016 feierte die Familie in Wetter ihren 90. Geburtstag. Erst bei der Ausstellung der amtlichen Sterbeurkunde stellte sich heraus, dass ihr amtlich eingetragenes Geburtsdatum der 30. August 1926 war. In der Familie wurde erzählt, dass in ihrer Kindheit drei nahe beieinanderliegende Geburtstage zusammengelegt und gemeinsam gefeiert worden seien, weil dies praktischer gewesen sei. Ob dies tatsächlich die Ursache der abweichenden Geburtstagstradition war, ist bislang nicht dokumentarisch belegt.

Maria Dörr an ihrem 90. Geburtstag
Maria Dörr in Wetter am 28. August 2016. An diesem Tag feierte die Familie ihren 90. Geburtstag; ihr amtlich eingetragenes Geburtsdatum war der 30. August 1926.
Eltern und Kindheit

Norbert und Johanna – meine Eltern

Norbert Bussang wurde am 21. April 1949 in Grebenstein geboren, Johanna am 3. Mai 1951. Ich wurde am 16. September 1972 in Kassel geboren, meine Schwester Heike am 27. Januar 1976. In meiner Kindheit lagen Familie, Handwerk, Landwirtschaft, Tiere, Eisenbahn und Technik ungewöhnlich nah beieinander.

Weihnachten 1975

Weihnachten 1975 gehört zu den gut dokumentierten frühen Erinnerungsbildern. Meine Mutter Johanna war damals mit meiner Schwester Heike schwanger. Zu den Geschenken gehörten die Märklin-Eisenbahn und ein Kaspertheater „vom Christkind“. Wenige Wochen später wurde Heike geboren.

Tiere waren nicht nur Haustiere

Tiere gehörten selbstverständlich zum Alltag. Dazu gehörten Haustiere, aber auch Nutztiere. Ein von seiner Mutter nicht angenommenes Lamm wurde von meiner Mutter mit der Flasche aufgezogen und zeitweise in der Badewanne hinter der Küche versorgt. Kaninchen wurden damals auch zur Ernährung gehalten – unter Bedingungen, die ich aus heutiger Sicht kritisch sehe.

Später gehörten Katzen zu meinem Leben. Besonders Muschi war stark auf mich bezogen – bis sie meine mühsam aufgebaute Märklin-Landschaft als eigenes Erkundungsgebiet entdeckte. Heute gehören die Kaninchen Fine, Olivia und Oskar wieder zu diesem langen Faden.

Landwirtschaft gehörte ebenfalls dazu

Auf dem Hof meines Onkels Ludwig Dörr erlebte ich Landwirtschaft unmittelbar: Milchkanne, Heuernte, Kartoffelernte und Schlachttage. Geschlachtete Schweinehälften hingen draußen am Stall beziehungsweise auf dem Hof und waren von der Straße aus sichtbar. Später mähte und machte ich selbst mit dem Traktor Heu für das Pferd meiner Schwester.

Wetter

Die Krämergasse – eine kleine Welt

Die Krämergasse in Wetter war für ein Kind eine überschaubare Welt. Nebenan arbeitete ein Schuhmacher, gegenüber lag Tante Ullas Buchhandlung. Dort gab es Bücher, Comics wie Fix & Foxi und vieles, was mich anzog. Spielwaren Gausmann wiederum war eng mit der Modelleisenbahn verbunden.

Familienurlaub in den 1970er-Jahren
Familienurlaub in den 1970er-Jahren.

Auch Lernen geschah oft unmittelbar: Beim Skifahren an der Sackpfeife setzte mein Vater mich als ungefähr Dreijährigen auf den Hang – ich konnte fahren, wusste aber noch nicht, wie man bremst. Beim Fahrradfahren war das Prinzip ähnlich: Mein Vater wollte es mir auf dem Weg zum Schrebergarten beibringen; ehe die eigentliche Anleitung begann, fuhr ich bereits los und gelangte über die damals stark von Lastwagen befahrene Straße heil ans Ziel.

Stephan Bussang mit seinem Großvater Kurt beim Frühstück
Mit Opa Kurt beim Frühstück beim Bäcker Kutsch gegenüber der Krämergasse. Datum unbekannt.
Die Schreinerei

Freiheit mit Risiken

Die Schreinerei meines Großvaters war Arbeitsplatz, Erfahrungsraum und für mich zugleich ein riesiger Abenteuerspielplatz.

Im Maschinenraum standen Kreissäge, Abrichte, Dickenhobel, Furnierpresse und Drehbank. Dazu kamen Absaugung, Holzlager und der Dachboden über dem Laden. Ich baute aus Restholz, zog krumme Nägel wieder gerade und verwendete sie erneut. Nicht alles war ungefährlich: Eine Verletzung mit dem Stechbeitel verfehlte wichtige Blutgefäße nur knapp. Ein anderes Mal versuchte ich mit einer Wolldecke ein Feuer zu entzünden und beschädigte sie dabei, bis meine Großmutter eingriff. Auch Entkalker als vermeintliches Haarwaschmittel hätte böse enden können.

Solche Geschichten sollen die Gefahren nicht romantisieren. Sie zeigen vielmehr, wie anders der Bewegungsraum eines Kindes damals sein konnte – und wie früh Werkzeuge, Materialien und technische Abläufe Teil meines Alltags waren.

Das ehemalige Sägewerk

Eine zweite Phase des Spielplatzes

Nach der Stilllegung des Sägewerks vermietete meine Großmutter das Gelände an Mohammed Bahudi, einen libanesischen Autohändler. Er kaufte Unfallwagen, zerlegte beziehungsweise bereitete sie vor, packte Fahrzeuge und Teile in Container und verschiffte sie in den Libanon, wo sie in Beirut verkauft wurden. Für mich war das Gelände sagenhaft: Ich durfte in den Autos sitzen und Fahrer spielen.

Mohammed habe ich als freundlich, hilfsbereit und höflich in Erinnerung. Faszinierend war für mich auch, wie schnell er eine dicke Rolle Bargeld zählen konnte. Armin aus dem Libanon arbeitete für ihn und blieb der Familie später verbunden. Bei Besuchen wohnte er zeitweise bei uns und bedankte sich mit wunderbarem libanesischem Essen.

Damit bekam derselbe Ort mehrere Leben: Schreinerei und Sägewerk meines Großvaters, später der Autohandel, danach das Haus meiner Eltern – und 2014 schließlich wieder Werkstatt, als dort der Matador einen vollständig neuen Kabelbaum bekam.

DDR und Magdeburg

Eine andere Perspektive auf dieselben Jahre

Meine Mutter Johanna hatte eine Brieffreundin in Magdeburg. Die Familie dort hatte zwei Kinder; Kathrin war ungefähr in meinem Alter. So war die DDR für mich nicht nur etwas aus Nachrichten oder Schulbüchern. Da war ein Kind auf der anderen Seite der Grenze, das ungefähr zur selben Zeit aufwuchs wie ich.

1977 am Grenzübergang Helmstedt

Bei einer Fahrt in die DDR saßen wir im damals neuen signalorangenen Ford Taunus. Meine Mutter hatte im Westen eine Bild-Zeitung gelesen und sie unter dem Lammfell-Sitzbezug versteckt, weil sie nicht mit in die DDR durfte. Mein Vater wurde bei der Einreise herausgewunken. Unter einer überdachten Kontrolle wurden Gepäck, Innenraum und Verkleidungen im Kofferraum untersucht. Die Sitzbezüge nahmen die Grenzer nicht ab – die Zeitung blieb unentdeckt.

Mir war vorher eingeschärft worden, nichts zu sagen, und daran hielt ich mich. Besonders im Gedächtnis blieb mir der klare, strenge Ton des Grenzers: „Sie können einreisen. Herzlich willkommen in der Deutschen Demokratischen Republik.“ Mein Vater musste anschließend das Auto wieder zusammensetzen; die Kofferraumverkleidung saß danach nie wieder richtig.

Weihnachten kam ein Ostpaket

Zu Weihnachten kamen regelmäßig Pakete aus dem Osten. Für mich waren darin ungewöhnliche Süßigkeiten, Bücher und Spielzeug – darunter Karl May und Märchenbücher. Als Kind nahm ich das nicht zuerst als Ausdruck eines Wirtschaftssystems wahr, sondern als etwas Besonderes und Spannendes.

Bulgarien

Aus einer Urlaubsbekanntschaft wurde eine Freundschaft

Auf einem Bulgarienurlaub Anfang der 1980er-Jahre lernten meine Eltern Ivan kennen. Aus der Urlaubsbekanntschaft wurde eine Freundschaft, die die politischen Grenzen überdauerte. Nach dem Fall der Mauer besuchte Ivan uns; nach meinem Abitur besuchte ich seine Familie mehrfach in Bulgarien.

Meine erste eigene Reise führte mich im Sommer 1992 mit dem Zug von München durch das damalige Jugoslawien in Richtung Bulgarien. Tagsüber hielt der Zug plötzlich. Soldaten liefen aufgeregt durch die Wagen. Ich verstand ihre Sprache nicht, aber ihre Gesten waren eindeutig: Alle sollten auf den Boden. Draußen beziehungsweise über dem Gebiet sah ich ein Jetflugzeug. Warum der Zug angehalten hatte, wusste ich damals nicht und weiß es bis heute nicht sicher.

Heute fällt mir bei dieser Erinnerung etwas auf: Die eindringlichen Kriegserzählungen meiner Großmutter Maria könnten dazu beigetragen haben, dass ich in diesem Moment nicht diskutierte oder zögerte. Das ist eine heutige Deutung, keine Gewissheit. Mehr als tausend Kilometer entfernt war ihre Erfahrung in diesem Augenblick vielleicht dennoch ein Stück weit bei mir.

Eisenbahn

Spielzeug und Wirklichkeit

Meine erste Märklin-Zugpackung bekam ich von meinem Großvater Kurt: eine Märklin 3000, zwei Güterwagen sowie einen Schienenbus mit Beiwagen – ähnlich den Fahrzeugen, die auf der Strecke Marburg–Frankenberg unterwegs waren. Mein Vater arbeitete bei der Deutschen Bundesbahn und war später in leitender Funktion im Bahnbetriebswerk Marburg tätig.

Am Sonntag, dem 16. September 1979, meinem siebten Geburtstag, wurde aus dem Spiel Wirklichkeit. Unter Aufsicht eines Kollegen meines Vaters durfte ich auf der Fahrt von Marburg nach Frankenberg eine Lokomotive führen. Die Fotos zeigen die 216 101-6. Auf einem Bahnsteigfoto ist auch meine Großmutter Irmgard Bussang zu sehen.

Was an diesem Tag sonst noch weltbewegend gewesen sein mag, dürfte mir ziemlich egal gewesen sein.*

* Am selben Tag, dem 16. September 1979, gelang zwei Familien mit einem selbstgebauten Heißluftballon die Flucht aus der DDR in die Bundesrepublik. Für meinen siebenjährigen Blick auf diesen Sonntag spielte das keine Rolle – für mich war die Fahrt auf der 216 101-6 das große Ereignis des Tages. ↩ zurück

Fahrzeuge und Erfahrungen

Technik wurde Teil des Familienalltags

Blauer Ford Capri der Familie mit Johanna und Stephan Bussang
Meine Mutter Johanna und ich in kurzer Hose am blauen Ford Capri meiner Eltern.

Der blaue Ford Capri meiner Eltern gehört zu meinen frühen Erinnerungen – ebenso seine im Sommer unerträglich heißen schwarzen Kunstledersitze. Nach einem Unfall wurde er repariert, rostete später jedoch stark. 1976 folgte ein signalorangener Ford Taunus 2.0 V6, der bis Anfang 1989 blieb. Danach entschied sich mein Vater bewusst für einen vollverzinkten Audi 80.

Auch bei meinen eigenen Fahrzeugen wurde Korrosion zu einem wiederkehrenden Thema. Mein erster Ford Escort von 1990 und später ein Audi 80 des Modelljahres 1980 machten sehr konkrete Erfahrungen mit Motoren, Rost, Reparaturen und der Bedeutung guter Werkstätten möglich. Beim 2020 neu abgeholten Passat ließ ich deshalb bereits im Januar 2021 vorsorglich eine vollständige Dinitrol-Hohlraumkonservierung durchführen.

Was blieb

Was diese Kindheit miteinander verband

Lamm und Schlachttag, Schuhmacher und Schreinerei, Märklin-Bahn und echte Lokomotive, Ski, Fahrrad, Traktor und später eigene Fahrzeuge: Vieles wurde nicht abstrakt erklärt, sondern unmittelbar erlebt.

Dinge wurden benutzt, repariert und weiterverwendet. Tiere waren zugleich Gefährten und Teil landwirtschaftlicher Realität. Lebensmittel hatten eine sichtbare Herkunft. Handwerk und Fachwissen konnte ich Erwachsenen bei der Arbeit abschauen. Manche Freiheiten waren groß, manche Risiken aus heutiger Sicht ebenfalls.

Aus all dem soll keine nachträgliche Heldengeschichte entstehen. Interessanter ist für mich heute, wie Erfahrungen über Generationen weitergegeben werden: Heinrich wollte seine Geschichte auf Kassette bewahren. Maria verdichtete ihre Kriegserfahrung zu „Nie wieder Krieg!“. Mein Vater brachte die Eisenbahn in mein Leben, Großvater und Onkel Handwerk und Naturkenntnis. Jahrzehnte später versuche ich, diese Erinnerungen mit Dokumenten und Quellen zusammenzuführen, damit sie nicht verschwinden.