Vom Commodore PC20-II
zur Enterprise-ITK
Mein Computerzeitalter begann nicht im Beruf, sondern 1987 zu Hause. Ein neuer Commodore PC20-II, eigentlich für die Buchhaltung des Bestattungsinstituts meiner Mutter gedacht, wurde für mich zum Einstieg in DOS, Fehlersuche und die Frage, wie ein Computer wirklich funktioniert. Aus dieser Neugier entwickelte sich über Jahrzehnte ein beruflicher Weg durch Netzwerke, Server, Rechenzentren, Kommunikation und Security.
Ein Computer für die Buchhaltung – und plötzlich für mich
1987 brachte mein Vater einen neuen Commodore PC20-II mit nach Hause. Er arbeitete damals als Kaufmann bei der Zentralverwaltung der Deutschen Bahn in Frankfurt und kannte PCs bereits aus seinem beruflichen Umfeld. Gedacht war der Rechner eigentlich für meine Mutter und die Buchhaltung ihres Bestattungsinstituts.
Ihre Reaktion ist mir bis heute sinngemäß in Erinnerung: „Den Blödsinn brauche ich nicht – meine Rechenmaschine reicht für die Buchführung." Für mich war das genaue Gegenteil der Fall. Ich war begeistert, dass plötzlich ein Computer im Haus stand, und nutzte ihn tagsüber intensiv.
Natürlich wurde gespielt – unter anderem Test Drive in seiner damaligen 3D-Welt, Tetris und andere Spiele dieser Zeit. Viel wichtiger wurde aber schnell das Experimentieren mit dem System selbst. Wenn eine neue DOS-Version verfügbar war, wurde sie installiert. Dass der Rechner danach zeitweise nicht mehr funktionierte, gehörte für mich offenbar zum Lernprozess.
Für solche Experimente gab es eine sehr konkrete Deadline. Wenn vor dem Fenster der 17-Uhr-Zug nach Frankenberg vorbeifuhr, wusste ich: Mein Vater war kurz zuvor bereits am Bahnhof Wetter ausgestiegen und jetzt zu Fuß auf dem Weg nach Hause. Noch ungefähr acht Minuten blieben mir. Bis dahin musste der sehr teure PC wieder funktionieren, wenn ich kein Donnerwetter riskieren wollte. Es gab nach meiner Erinnerung keinen Fall, in dem der Rechner bei seiner Ankunft noch außer Betrieb war.
640 KB und 20 MB – der Dinosaurier war damals Luxus
Aus heutiger Sicht liest sich die Ausstattung unseres Commodore PC20-II beinahe wie ein Bericht über Technik aus einer anderen Erdzeit. Im Rechner arbeitete ein Intel 8088 mit 4,77 MHz. Mein Vater hatte sich ganz bewusst gegen den PC10-II und für den PC20-II entschieden: statt zweier 360-KB-Diskettenlaufwerke besaß er ein 5¼-Zoll-Laufwerk und eine 20-MB-Festplatte. Nicht Gigabyte, nicht Terabyte: Megabyte.
Auch beim Arbeitsspeicher sollte nicht gespart werden. Unser Rechner war nach meiner Erinnerung auf 640 KB RAM ausgebaut – bei dieser XT-Generation der maximale konventionelle Speicher. Mein Vater erzählte später noch von der erstaunten Frage des Verkäufers, wofür er denn so viel Speicher brauche. Heute ist gerade dieser Satz eine kleine Zeitkapsel: 640 Kilobyte erschienen 1987 erklärungsbedürftig groß.
Ebenso bewusst fiel die Entscheidung für den Bernsteinmonitor. Mein Vater betonte damals, dass er für die geplante Büroarbeit gerade diese augenschonende Monochromdarstellung gewählt hatte. Technisch war das interessanter, als ich es als Jugendlicher zunächst wahrnahm: Im PC20-II arbeitete eine ATI Graphics Solution, die MDA-Text, Hercules-kompatible hochauflösende Monochromgrafik und CGA beherrschte. Über Schalterstellungen und die mitgelieferte Software ließ sich die Grafikausgabe unterschiedlich konfigurieren. Selbst CGA-Software konnte auf einem geeigneten Monochrommonitor emuliert werden. Eine zusätzliche spezielle Hercules-Karte war dafür also nicht zwingend nötig.
Für meinen Alltag hatte diese technische Vielseitigkeit allerdings einen sehr sichtbaren Haken: Vor mir stand weiterhin ein Bernsteinmonitor. Die Spiele konnten noch so sehr für ihre Grafik werben – Farbe bekam ich deshalb zunächst nicht zu sehen. Einen passenden Farbmonitor einfach zum Ausprobieren zu besorgen, war für mich damals keine realistische Option. Als ich ab Beginn meiner Ausbildung schließlich eigenes Geld verdiente und mir eigene PCs kaufen konnte, war der Commodore technisch längst überholt. Die Phase, in der ich seine Möglichkeiten noch mit einem Farbmonitor hätte erkunden können, war damit praktisch vorbei.
Dass sich die Grafik des PC20-II über DIP-Schalter und Software überhaupt anders konfigurieren ließ, wusste ich damals nicht – und tatsächlich bis heute nicht. Hätte ich das als Jugendlicher gewusst, hätte ich vermutlich alles darangesetzt, irgendwo einen passenden Farbmonitor aufzutreiben. Und sehr wahrscheinlich hätte es dafür dieselbe Deadline gegeben wie bei meinen DOS-Experimenten: Wenn der 17-Uhr-Zug nach Frankenberg vorbeifuhr, hätte spätestens wieder der Bernsteinmonitor in der vom Fachgeschäft eingerichteten Konfiguration laufen müssen, bevor mein Vater nach Hause kam. Es ist nicht passiert – aber rückblickend weiß ich ziemlich genau, was ich mit diesem Wissen damals versucht hätte.
Schon auf diesem PC20-II standen außerdem Lotus 1-2-3 und Microsoft Multiplan zur Verfügung. Mein Vater hatte Lotus 1-2-3 für die Buchhaltung meiner Mutter beschafft, doch sie nutzte es nicht. Ich dagegen beschäftigte mich mit beiden Tabellenkalkulationen und lernte ihre Möglichkeiten kennen. Mit Newsmaker übernahm ich außerdem das Layout und den Druck unserer inoffiziellen Schülerzeitung „Bussing's" – eine frühe praktische Erfahrung mit dem Gestalten und Veröffentlichen am Computer.

Ein 9-Nadeldrucker machte den damaligen Arbeitsplatz komplett.
Und auch die Festplatte erinnert daran, wie weit diese Technik von heutigen PCs entfernt war. Sie war eine MFM-Festplatte mit eigenem XT-Festplattencontroller – lange vor IDE und erst recht vor SATA, NVMe oder dem selbstverständlichen Austausch heutiger Massenspeicher. Festplatte und Controller bildeten eine technische Welt, in der ein späterer Ersatz keineswegs einfach bedeutete: alte Platte heraus, neue hinein.
1987 war das alles kein kurioses Museumsstück, sondern moderne und kostspielige PC-Technik. Schon für den PC20-II ist aus einer Commodore-Preisliste vom März 1987 ein Listenpreis von 3.995 DM einschließlich Mehrwertsteuer überliefert. Monitor und Drucker machten aus dem Rechner erst den vollständigen Arbeitsplatz und erhöhten die Investition entsprechend. Für unseren Familienhaushalt war das eine erhebliche Ausgabe. Vielleicht erklärt diese Größenordnung im Rückblick auch einen Teil der wenig begeisterten Reaktion meiner Mutter auf einen Computer, den sie für ihre Buchführung gar nicht haben wollte.
Rückblickend steckt darin bereits viel von dem, was später meinen Umgang mit Technik bestimmte: nicht nur benutzen, sondern ausprobieren; Fehler selbst verursachen dürfen – und anschließend verstehen müssen, wie man sie wieder behebt.
Mit jeder Technikgeneration wurde das Bild größer
Der spätere berufliche Weg lässt sich für mich weniger über Arbeitgebernamen erzählen als über die Systeme, die jeweils neu verstanden werden mussten. Aus dem einzelnen PC wurden Netze, aus Servern ganze Infrastrukturen, aus klassischer Telefonie IP-Kommunikation. Was in einer Phase gelernt wurde, verschwand dabei selten – meist wurde es Teil der nächsten.

Raiffeisenbank Wetter – als Computerkenntnisse noch auffielen
Dass ich meine Lehrstelle bei der Raiffeisenbank Wetter bekam, hatte aus meiner Erinnerung zwei wesentliche Gründe. Zum einen war meine Familie im Ort bekannt – etwas, das bei einer örtlichen Bank damals noch erhebliches Gewicht haben konnte. Der zweite Grund lag auf dem Tisch vor dem Vorstand Herrn Mengel: mein Lebenslauf.
Er betrachtete das Blatt und fragte erstaunt: „Das haben Sie mit dem Computer gemacht?!" Einen Lebenslauf durfte man zu dieser Zeit durchaus bereits mit der Schreibmaschine erstellen. Dass ein Bewerber ihn selbst am PC geschrieben hatte, war dagegen noch ungewöhnlich. Als ich mit Ja antwortete, wechselte Herr Mengel unmittelbar das Thema: Dann würde ich gemeinsam mit Herrn Luczak aus der Innenrevision arbeiten, denn der kenne sich ebenfalls mit Computern aus.
Das Kuriose daran war, dass bis zu diesem Moment noch gar nicht ausgesprochen worden war, dass ich eingestellt werde. Diesen Schritt hatte Herr Mengel im Gespräch gewissermaßen übersprungen und war gedanklich schon bei meinem späteren Einsatz angekommen. Für mich wurde damit erstmals ganz konkret sichtbar, welchen Stellenwert Computerkenntnisse zu dieser Zeit bereits haben konnten.
Herr Mengel selbst war nach meiner Erinnerung kein Computerenthusiast. Sein PC stand hinter ihm an der Wand auf einem ziemlich wackeligen Computertisch. Wenn es sich nicht vermeiden ließ, drehte er sich mit seinem Stuhl zum Rechner und bediente ihn eher widerwillig. Dabei geriet der Tisch so in Bewegung, dass er aussah, als könne er jeden Moment zusammenbrechen. Für ihn schien der PC eher eine lästige Notwendigkeit zu sein. Für mich war genau diese Technik ein Glücksfall.
Über Herrn Luczak lernte ich während der Ausbildung sehr viel, das mit dem eigentlichen Berufsbild des Bankkaufmanns nur am Rande zu tun hatte. Neben dem kaufmännischen Fundament bekam ich Einblick in IBM OS/2, banktechnische Anwendungen, das damalige Umfeld der GRK in Kassel und die technische Seite des kartengestützten Zahlungsverkehrs am Point of Sale. Damit wurde aus der privaten Computerbegeisterung erstmals professionelle IT-Erfahrung.
Im Bankbetrieb lernte ich außerdem IBM-Token-Ring-Netzwerke intensiv kennen. Eine weitere prägende Erfahrung war das terminalbasierte Großrechnersystem ORG80: Die Terminals übernahmen Ein- und Ausgabe, während Anwendungen und Daten zentral verarbeitet wurden. Koaxial- und Ethernet-Netze erschloss ich mir dagegen privat beim Aufbau meiner Mailbox und ihrer lokalen Vernetzung.
Herrn Luczak bin ich dafür bis heute dankbar. Er nahm meine Begeisterung für Computer ernst, ließ mich an seinem Wissen teilhaben und gab mir die Möglichkeit, mich weit über den eigentlichen Inhalt meiner Bankausbildung hinaus mit der Technik zu beschäftigen. Vieles von dem, was ich bei ihm lernen konnte, hat meinen späteren Berufsweg entscheidend mit vorbereitet.
Ausbildung, Bankpraxis und Anwenderschulungen
Meine Ausbildung begann am 1. August 1992 und dauerte bis 1994. Anschließend blieb ich als Bankkaufmann bei der Raiffeisenbank Wetter eG beschäftigt, bis zu meinem Ausscheiden am 31. März 1999. Parallel zur täglichen Bankarbeit entwickelte sich die Beschäftigung mit Computern zunehmend zu einer zweiten, technischen Aufgabe.
Ich führte auch interne Anwenderschulungen durch. Eine wichtige Rolle spielte dabei Lotus SmartSuite, das umfangreiche Office-Komplettpaket von Lotus: Es vereinte Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und weitere Büroanwendungen. Zu den Programmen, mit denen ich arbeitete und die ich vermittelte, gehörten Lotus 1-2-3 sowie Ami Pro beziehungsweise später Word Pro. Hinzu kam Microsoft Office. Gerade weil SmartSuite mehrere Anwendungen in einer gemeinsamen Büroumgebung zusammenführte, ging es bei den Schulungen nicht nur um einzelne Funktionen, sondern auch darum, wie die Programme im Arbeitsalltag sinnvoll zusammenwirkten. Die erste Unterrichtseinheit hieß damals tatsächlich „Der Umgang mit der Computermaus" – wobei sich der Unterricht selbstverständlich auf das technische Gerät beschränkte. ;-) Und diese erste Stunde hatte es durchaus in sich: Für manche Kolleginnen und Kollegen war die Maus etwas völlig Neues. Wir begannen damit, wie man sie in die Hand nimmt und die Hand darauf ablegt, übten das kontrollierte Bewegen des Mauszeigers, das Klicken und schließlich den Doppelklick. Erst als diese Grundlagen saßen, ging es weiter mit Ami Pro. Dort war die Maus keine Spielerei, sondern Voraussetzung, um sich in der grafischen Oberfläche zurechtzufinden und das Textverarbeitungsprogramm sinnvoll zu bedienen. Wenn ich heute nach vielen Jahren am Mac unter Windows wieder einmal nach einer vertrauten Funktion suchen muss, denke ich manchmal schmunzelnd an diese erste Unterrichtsstunde zurück.

Fusion, Vertrauen und die Entscheidung für die IT
Mit der Fusion der Raiffeisenbanken Wetter und Münchhausen veränderte sich auch mein Arbeitsumfeld. Herr Jung gehörte dem Vorstand aus Wetter an, Robert Michel kam aus Münchhausen. Herr Mengel war zu dieser Zeit bereits im Ruhestand. 1997 wechselte ich in die Filiale Münchhausen. Dort lernte ich den damaligen Filialleiter Hermann Smentek kennen und schätzen.
Willi Kahler übernahm nach der Fusion die Leitung der IT. Er kam aus dem Bankgeschäft und machte keinen Hehl daraus, dass meine technischen Kenntnisse in diesem Bereich weiter reichten als seine eigenen. Gerade deshalb war die Zusammenarbeit so angenehm: Er vertraute mir, ließ mir Freiraum und unterstützte mich, anstatt fachliche Sicherheit vorzutäuschen. Später freute ich mich, als ich erfuhr, dass er Prokurist geworden war.
Die absehbare weitere Fusion mit der Raiffeisenbank Marburg ließ mich über meine Zukunft nachdenken. Marburg hatte bereits eine eigene IT-Abteilung; ich befürchtete, meine gewachsenen technischen Aufgaben könnten wegfallen und ich würde wieder ausschließlich im klassischen Filialgeschäft arbeiten. Den Umgang mit Kunden mochte ich, aber ich wollte meine technische Begeisterung nicht aufgeben.
Als sich mir eine Stelle in der professionellen IT in Frankfurt bot, sprach ich offen mit Hermann Smentek. Er bestätigte meine Einschätzung der begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten und bot mir sogar an, mir bei einer Nachbargenossenschaft eine Perspektive im Bankwesen zu vermitteln. Zugleich sagte er mir sinngemäß, dass ich zurückkommen könne, falls sich die IT als falscher Weg herausstellen sollte. Diese Offenheit und Fairness sind mir bis heute in Erinnerung geblieben. Auch seine spätere Entwicklung zum Prokuristen und Regionalmarktleiter hat mich gefreut.
Ich entschied mich für die IT. Rückblickend verdanke ich dieser Bankzeit weit mehr als eine kaufmännische Ausbildung: das Verständnis für zentrale Datenverarbeitung, praktische Netzwerkerfahrung, das Vermitteln technischer Kenntnisse und die Unterstützung durch Menschen, die meine Interessen ernst nahmen.

BUSSING Mailbox / MarNet – eigenes technisches Labor
Parallel entstand mit der eigenen Mailbox ein privates Kommunikations- und Netzwerkprojekt. Eingesetzt wurden EasyMail, das Z-Netz und die Verbindung zu MarNet. Der Datenaustausch erfolgte zunächst über Modem, später auch über ISDN. Zwei Hostrechner arbeiteten mit einem zentralen Datenbankserver zusammen.
Die lokale Vernetzung begann mit einem DOS-Kirschbaum-Netz und 10-MBit-Koaxialverkabelung und entwickelte sich später zu 10/100-MBit-Ethernet. Damit wurden Netzwerktopologien, Mehrplatzbetrieb, Datenhaltung, Kommunikationsprotokolle und Fehlersuche praktisch erlernt – Jahre bevor Internetzugänge im Alltag selbstverständlich wurden.
Zum technischen Umfeld gehörten auch frühe Modemgenerationen bis hin zu V.34/V.34bis und Vorserien-/Betatest-Erfahrungen. Die Mailbox verband Textforen und Shareware-Downloads mit dem Betrieb einer eigenen kleinen Online-Infrastruktur.
Schon in dieser Phase entstand eine Idee, die damals noch ungewöhnlich war: Kinobesucher sollten einen Sitzplatz direkt über die Mailbox reservieren können. Ich stellte den Gedanken dem damaligen Management des Rex-Kinos in Marburg vor. Nach meiner Erinnerung wurde er freundlich abgelehnt – die Reservierung an der Kasse funktioniere seit Jahrzehnten und werde dort gern erledigt. Einige Jahre später wurden elektronische und schließlich Online-Reservierungen im Kinobereich selbstverständlich. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass die späteren Systeme auf meiner damaligen Idee beruhten; für mich blieb die Episode vielmehr ein frühes Beispiel dafür, dass eine technisch naheliegende Idee manchmal früher da ist als das Umfeld, das sie gebrauchen kann.

m+s electronic AG – Enterprise-IT als praktische Schule
Die Zeit bei m+s war weit mehr als klassischer PC-Service. Das Unternehmen trat damals als großer deutscher IT-Gesamtlösungsanbieter auf. Die praktische Arbeit führte in Server-, Client-, Rollout- und Rechenzentrumsumgebungen großer Unternehmen.
Technische Schwerpunkte waren insbesondere Compaq-ProLiant-Server und IBM-ThinkPad-Systeme; hinzu kamen Siemens-Server und weitere Herstellerplattformen. Herstellerqualifikationen als ProLiant- und ThinkPad-Techniker vertieften die Hardware- und Servererfahrung.
Nach den eigenen beruflichen Aufzeichnungen gehörten Einsätze in Umgebungen von DG Bank, Deutsche Börse, Fraport, Lufthansa, Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank, Postbank, REWE Zentral AG, Guidant, Merz + Co., Arcor, Alte Leipziger, Nestlé und Robert Mondavi Europe zum Arbeitsumfeld. Zeitgenössische Quellen bestätigen mehrere dieser Unternehmen als Kunden von m+s; die persönliche Zuordnung einzelner Einsätze beruht dort, wo kein individueller Einsatznachweis vorliegt, auf der eigenen Berufs- und Zeitzeugendokumentation.
Auch die Netzwerktechnik gehörte zur praktischen Arbeit: Neben Koaxial- und Ethernet-Netzen vertiefte ich bei m+s meine Erfahrungen mit IBM Token Ring. Mit der IBM AS/400 begegnete mir erneut die terminalbasierte, zentrale Datenverarbeitung, die ich bereits aus der Bankzeit kannte. Die Arbeitsplätze dienten dabei vor allem der Ein- und Ausgabe; die eigentliche Verarbeitung erfolgte auf dem zentralen System.
Besonders prägend waren Serverfarmen und Rechenzentrumsumgebungen. Für die Deutsche Börse wurde in dieser Zeit die neue IT-Ausstattung in Frankfurt umgesetzt; ein zeitgenössisch dokumentierter m+s-Großauftrag umfasste Migration, Arbeitsplatz-, Server-, Support- und Systemmanagementleistungen. Aus persönlicher Projekterinnerung gehört außerdem eine Rechenzentrumsumgebung in Kelsterbach für das eTix-Umfeld von Fraport/Lufthansa in diese Phase.

axxida GmbH – vom Dachgeschoss zum Systemhaus
Am 28. Februar 2002 wurde die axxida GmbH gegründet. Die ersten Büroräume lagen im Dachgeschoss eines Privathauses im Gartenweg 5a in Wetter. Das schnelle Wachstum machte die räumlichen Grenzen bald sichtbar: Arbeitsplätze wurden knapp, Lagerfläche entstand zunächst in einem Teil einer Doppelgarage. Anschließend wurden größere Räume auf dem Familiengrundstück in der Frankenberger Straße 11 für das Systemhaus umgebaut.
axxida entwickelte sich zu einem herstellerübergreifenden IT-Systemhaus. Das Spektrum umfasste Clients und Notebooks, Server, Microsoft- und weitere Systemumgebungen, LAN/WAN, WLAN, Security, Storage, Telekommunikation, Datenbanken und Individualsoftware, Schulung und Support. Hinzu kamen passive Netzwerkverkabelung, angrenzende Elektroarbeiten und frühe Gigabit-Ertüchtigungen.
Zum Herstellerumfeld gehörten unter anderem Fujitsu Siemens, HP/Compaq, IBM/Lenovo, Acer, MAXDATA, Kyocera, 3Com, Microsoft und Siemens. Das Unternehmen wuchs zeitweise auf bis zu rund 20 Beschäftigte einschließlich Auszubildenden und projektbezogenen Kräften. Vertreten waren Geschäftsführung, technische Leitung, Außendienst- und Servicetechnik, Servertechnik, Datenbank-/Softwareentwicklung, Administration, Buchhaltung und Ausbildung. Ergänzt wurde das eigene Team durch spezialisierte Partner für Software, Kommunikation, Verkabelung und weitere Projektleistungen. Namen dieser Personen werden auf der öffentlichen Website bewusst nicht veröffentlicht.
Mehrere Kundenbeziehungen bauten auf bereits vorhandenen Kontakten auf. Zum betreuten Umfeld gehörten unter anderem Robert Mondavi Europe, später TxB International Fine Wines, Havika Immobilienmanagement, FerHo Stahl, AWO Frankfurt/Südhessen, die Pensionskasse der Firma Schenker sowie Deutsche Bahn.
Gleichzeitig entstand ein wesentlicher Teil des Wachstums durch eigene Neukundengewinnung. Zu den neu gewonnenen Kunden gehörten unter anderem das Autohaus Schwammel & Gnau Renault im Raum Marburg/Gießen, die Freie Waldorfschule Marburg, die Marburger Altenhilfe St. Jacob gGmbH, die RUWEL AG mit dem Werk Schoeller in Wetter, die Stadt Wetter, HEITEC Heißkanaltechnik in Burgwald-Bottendorf, Taxi Weber in Wetter, Elektro Albert in Wetter, Elektro-Langer in Amönau und Dickert Electronic in Schönstadt. Hinzu kamen weitere Unternehmen, Einrichtungen und öffentliche Auftraggeber aus der Region. Damit entwickelte axxida neben übernommenen beziehungsweise aus früheren beruflichen Kontakten entstandenen Kundenbeziehungen zunehmend einen eigenen regionalen Kundenstamm.
Die Projekte reichten von vollständiger IT-Betreuung bis zu sehr unterschiedlichen Spezialaufgaben. Im sozialen Bereich wurden beispielsweise zahlreiche kleine Standorte mit Arbeitsplatz und Internetzugang ausgestattet. Ein größeres Projekt für Deutsche Bahn band zeitweise mehrere Beschäftigte dauerhaft. Für einen Industriekunden entstand gemeinsam mit externer Entwicklung eine Lösung zur Waren- beziehungsweise Materialverfolgung.
Bukarest – mobile Logistik lange vor dem Smartphone-Alltag
Ein ungewöhnliches axxida-Projekt führte mich über rund zwei Jahre regelmäßig nach Rumänien. In Bukarest hatte ich ein Apartment in der Strada Apolodor, unmittelbar beim damaligen Casa Poporului, dem heutigen Parlamentspalast. Typischerweise verbrachte ich etwa drei Wochen eines Monats in Bukarest und pendelte regelmäßig mit dem Auto zwischen Deutschland und Rumänien.
Ausgangspunkt war ein Softwareprojekt für FerHo Stahl. Nach der Entwicklungsarbeit unseres eigenen Softwareentwicklers bei axxida in Wetter sollte dort gemeinsam mit einer rumänischen Entwicklungsfirma eine mobile Anwendung weiterentwickelt werden. Das Zielgerät war ein Symbol Technologies PPT 8800, ein damaliger industrieller PDA mit Touchscreen und Barcode-Erfassung.
Das praktische Problem lag in der Auslieferung gefertigter Baustahlelemente durch Subunternehmer. Die Elemente trugen ohnehin Barcodeanhänger aus der Produktion, die bis zum Endkunden am Bauteil verblieben. Diese Barcodeetiketten wurden bei FerHo bereits direkt aus der SQL-Datenbasis mit einer Spezialanwendung über Zebra-Drucker erzeugt. Deshalb lag es nahe, für die mobile Erfassung ebenfalls Hardware aus dem damaligen Zebra-/Symbol-Umfeld einzusetzen: Druck und Scan sollten möglichst aus einer zusammenpassenden Herstellerwelt kommen, um Schnittstellen- und Kompatibilitätsprobleme von vornherein zu vermeiden. Beim Entladen sollten diese Barcodes erfasst werden. Der Fahrer sollte anschließend möglichst einfach über eine Rot-/Grün-Anzeige erkennen können, ob alle für die Baustelle bestimmten Elemente abgeladen waren, noch etwas fehlte oder versehentlich ein Element entladen worden war, das wieder auf den Lkw gehörte. Gerade unterschiedlich geformte Bauteile konnten beim Beladen nicht beliebig nach der späteren Entladereihenfolge gestapelt werden.
Ursprünglich war die Zusammenarbeit aus Deutschland geplant. In einer Zeit lange vor heutigen Werkzeugen für Bildschirmfreigabe, Videokonferenzen und permanente Teamkommunikation zeigte sich jedoch schnell, dass intensive Softwareentwicklung über diese Distanz kaum praktikabel war. Mit PC Anywhere über ISDN und Abstimmungen über das Festnetz stieß die Zusammenarbeit rasch an Grenzen. Die pragmatische Konsequenz war, einen großen Teil der Entwicklungsarbeit direkt vor Ort in Bukarest zu begleiten.
Die Anwendung erreichte einen weit fortgeschrittenen Entwicklungsstand, wurde aber nicht fertiggestellt, nachdem FerHo den Auftrag nicht weiterführen wollte. Die Grundidee dafür stammte von mir. Patentiert oder anderweitig geschützt wurde sie nicht. Wenn ich heute vergleichbare Abläufe in den Apps moderner Logistikdienste sehe, ärgert mich das manchmal – nicht weil diese Anwendungen aus unserem Projekt hervorgegangen wären, dafür gibt es keinen Anhaltspunkt, sondern weil wir eine heute alltägliche Arbeitsweise damals bereits praktisch gedacht hatten.
Ob ähnliche Konzepte zur selben Zeit unabhängig auch an anderer Stelle entwickelt wurden, ist offen. Ebenso gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass die axxida-/FerHo-Entwicklung später ohne mein Wissen weiterverkauft wurde. Die Aussage bezieht sich deshalb ausschließlich auf die eigene Idee und das tatsächlich durchgeführte Projekt.
FerHo – Datensicherung nach einem Einbruch
Ein weiteres FerHo-Projekt entstand aus einem sehr konkreten Schadensfall. Über Ostern wurde in den Betrieb eingebrochen; dabei wurden die kompletten Server einschließlich der vor Ort vorhandenen Datensicherung gestohlen. Der Vorfall machte unmittelbar sichtbar, dass ein Backup am selben Standort im Ernstfall zusammen mit den Produktivsystemen verloren gehen kann.
Als Konsequenz entwickelte ich eine Lösung, die aus heutiger Sicht wesentliche Grundgedanken moderner Offsite- beziehungsweise Cloud-Backupstrategien vorwegnahm. Nach der lokalen Erstellung wurden die Sicherungen automatisiert zusammengepackt und anschließend über eine DSL-Verbindung mit VPN auf Server bei axxida übertragen. Der Transfer dauerte mit den damaligen Bandbreiten mehrere Stunden pro Nacht, lief im täglichen Betrieb aber sehr zuverlässig. Damit befand sich zusätzlich zum lokalen Datenbestand eine räumlich getrennte Sicherung außerhalb des FerHo-Standorts.
Der Einbruch selbst hatte schließlich ein ungewöhnliches Ende: Nach meiner Erinnerung wurden die gestohlenen Server von der Polizei sehr schnell wiedergefunden. Die Täter hatten versucht, die Anlage mit dem ebenfalls gestohlenen Betriebs-VW-Polo abzutransportieren. Die Last war für das Fahrzeug offenbar zu groß; der Polo erlitt einen Achsbruch und wurde mit der Serveranlage im Hattersheimer Wald zurückgelassen. Für den Kunden endete der Vorfall damit vergleichsweise glimpflich – für die weitere Datensicherungsstrategie blieb er dennoch eine wichtige Erfahrung.
Die Schilderung des Einbruchs, des Wiederauffindens und der damaligen Backup-Lösung beruht auf meiner persönlichen Projekterinnerung.
Rückblickend lag eine strukturelle Schwäche in der hohen Abhängigkeit von wenigen umsatzstarken Großkunden und einer zu kleinen Basis mittelgroßer B2B-Kunden. Mit der europäischen Neuordnung nach dem Verkauf von Robert Mondavi fiel ein wichtiger Umsatzträger weg; weitere größere Aufträge gingen zurück oder endeten. Der Versuch, diese Entwicklung zusätzlich durch Privatkundengeschäft zu kompensieren, erreichte nicht das notwendige Volumen.
Fuhrpark – das „XX" auf der Straße
Die konsequent kleingeschriebene Marke axxida war nicht nur auf Geschäftspapieren und im Logo sichtbar. Auch der Fuhrpark griff die Corporate Identity auf: Die Firmenfahrzeuge trugen nach meiner Erinnerung durchgehend Marburger Kennzeichen nach dem Muster MR-XX … – eine bewusste Anspielung auf das prägende „xx" im Firmennamen.
Das erste Firmenfahrzeug war ein neuer Ford Mondeo, geliefert vom Autohaus Röß. Danach bestand der Fuhrpark nach meiner Erinnerung ausschließlich aus Renault-Fahrzeugen vom Autodienst Gnau aus der Schwammel-&-Gnau-Gruppe in Marburg. Dazu gehörten unter anderem Laguna, mehrere Mégane, ein Mégane CC und weitere Dienstwagen für die Mitarbeiter. Mein eigener Firmenwagen war ein Renault Vel Satis 3.0 V6. Mit diesem Fahrzeug pendelte ich während des Bukarest-Projekts regelmäßig zwischen Deutschland und Rumänien.
Fahrzeugbestand und Kennzeichen-Systematik beruhen auf meiner persönlichen Erinnerung an den damaligen axxida-Fuhrpark.
Eine Fortsetzung des Wachstumskurses hätte erhebliche langfristige externe Finanzierung erfordert. Ende 2006 fiel deshalb die unternehmerische Entscheidung, diesen Weg nicht weiterzugehen; der Geschäftsbetrieb wurde anschließend vollständig beendet. Diese wirtschaftliche Einordnung ist eine persönliche Unternehmeranalyse und wird von nachträglichen politischen oder anderen Kausalbehauptungen bewusst getrennt.

Netcom Kassel / Arcor – die andere Seite der Leitung
Nach den Jahren im eigenen Systemhaus wechselte die Perspektive. Bei Netcom Kassel, im damaligen Umfeld von Arcor und den Städtischen Werken, ging es nicht mehr nur darum, was beim Kunden hinter dem Anschluss geschah. Jetzt rückten Telefonie, Internet, Servicerufnummern und Datenanbindungen aus Sicht eines Carriers in den Mittelpunkt.
Genau in dieser Zeit begann sich die vertraute Welt aus analoger Telefonie und ISDN grundlegend zu verändern. VoIP und IP-basierte Dienste machten aus getrennten Disziplinen zunehmend eine gemeinsame Infrastruktur. Für meinen weiteren Weg war diese Carrier-Perspektive deshalb mehr als ein Vertriebsthema: Sie ergänzte das technische Verständnis um die Seite des Netzes, das die Kundenstandorte miteinander verbindet.

ahd – wenn der einzelne Server nicht mehr genügt
Bei ahd rückten zwei Themen nach vorn, die meinen späteren Berufsweg erneut prägen sollten: professioneller Storage mit NetApp und Security mit Fortinet. Die Beschäftigung mit NetApp führte 2010 auch zur Ausbildung beziehungsweise ins Herstellerumfeld nach Prag.
Mit Citrix XenDesktop und VMware View begegnete mir bei ahd zudem die Desktopvirtualisierung. Das Grundprinzip war mir durch ORG80 bei der Raiffeisenbank und die IBM AS/400 bei m+s unmittelbar vertraut: Rechenleistung, Anwendungen und Daten werden zentral bereitgestellt, statt an einzelne Endgeräte gebunden zu sein. Vollständige grafische Desktops auf dieser Grundlage erschienen mir deshalb als logische Weiterentwicklung hin zu standardisierten, zentral administrierbaren und leichter wartbaren Arbeitsumgebungen. Besonders überzeugend fand ich die Möglichkeit, die Pflege der eigentlichen Desktopumgebung weitgehend vom Austausch oder der Wartung einzelner Endgeräte zu entkoppeln.
Der Blick veränderte sich damit erneut. Nicht mehr der einzelne Server stand im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Daten verfügbar bleiben, wie Infrastruktur als Gesamtsystem funktioniert und wie sie abgesichert wird. Storage und Security wurden zu Themen, auf die ich später immer wieder zurückkommen sollte.

NextiraOne – Telefonie wird Netzwerk
Die kürzere Station bei NextiraOne brachte Alcatel-Enterprise-Kommunikation sowie LAN und WLAN zusammen. Was früher als Telefonanlage und Datennetz getrennt betrachtet worden war, wuchs technisch immer stärker ineinander. Für mich war das der Punkt, an dem klassische Telekommunikation endgültig Teil der IP-Infrastruktur wurde.

UP Data – aus einzelnen Disziplinen wird eine Infrastruktur
Bei UP Data liefen viele Fäden der vorherigen Jahre zusammen. Alcatel/ALE-Kommunikation, Server und Storage, Fortinet-Security, LAN/WLAN sowie Kupfer-, Glasfaser- und klassische Telekommunikationsverkabelung ließen sich nun nicht mehr sinnvoll als voneinander getrennte Produktwelten betrachten.
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit wurde deshalb der Ausbau des professionellen IT-Bereichs. Leistungsfähigere Storage-Systeme ersetzten einfache NAS-Lösungen als zentrale Speicher, Fortinet wurde als Security-Baustein etabliert und vorhandene Malwarebytes-Erfahrung aus der axxida-Zeit eingebracht. Ebenso wichtig war, vorhandene Techniker für diese zunehmend vernetzte IT-Welt weiterzuqualifizieren.
Mit größeren Kundenumgebungen verschob sich die Aufgabe endgültig vom Verkauf einzelner Produkte zur Betrachtung des Gesamtsystems. Projekte im Umfeld der NVV, Peoplefone und Rainbow Hub ab 2024, Innovaphone bei Veltum in Waldeck sowie 2025 die Beschäftigung mit Mitel im KOMSA-Umfeld in Kitzbühel zeigen zugleich, dass dabei nie nur eine Kommunikationsplattform im Mittelpunkt stand. Nach dem Verkauf von UP Data an die Venitus-Gruppe verlor dieser IT-Ausbau aus meiner persönlichen Rückschau zunehmend an Dynamik.

HOC – zurück nach Mittelhessen, technisch weiter nach vorn
Im August 2026 begann mit HOC ein neuer Abschnitt – und geografisch zugleich eine Rückkehr in die Region Marburg/Mittelhessen. Nach mehr als drei Jahrzehnten Technikgeschichte geht es dabei nicht um einen Neustart bei null, sondern darum, die gewachsenen Erfahrungen in einer neuen Umgebung weiterzuführen.
Technisch orientierte Beratung, Presales und Geschäftsentwicklung verbinden heute ALE-Kommunikation, LAN/WLAN und Fortinet-Security mit der größeren Enterprise-IT-Infrastruktur. Damit schließt sich ein Kreis: Aus dem Jugendlichen, der 1987 wissen wollte, warum sein PC nach einer DOS-Installation nicht mehr startete, ist kein Mensch geworden, der Technik nur verkauft. Die entscheidende Frage ist für mich noch immer dieselbe – wie funktioniert sie wirklich, und wie bekommt man sie zuverlässig zum Laufen?
Der PC20-II steht heute sinnbildlich noch immer da
Das Prinzip von 1987 hat sich nie ganz verändert: Neue Technik möchte ich nicht nur beschrieben bekommen, sondern selbst aufbauen, verändern, an Grenzen bringen und im Alltag beobachten. Aus dem einzelnen Commodore wurde deshalb über viele Technikgenerationen ein privates IT-Labor.
Anfang der 1990er-Jahre kamen die eigene Mailbox, mehrere Rechner, zentrale Datenhaltung, DOS-Netzwerk und 10-MBit-Koaxialverkabelung hinzu. Später folgten 10/100-MBit-Ethernet, ISDN und IP-Netze. Heute ist daraus eine Umgebung geworden, in der sich professionelle Konzepte zu Segmentierung, Security, Logging, Storage und Wiederherstellung praktisch erproben lassen. Nicht weil ein Privathaushalt diese Komplexität zwingend braucht, sondern weil sich Technik im dauerhaften Betrieb anders kennenlernen lässt als auf einer Präsentationsfolie.
Security und Segmentierung
Die aktuelle Umgebung wird durch eine FortiGate 40F geschützt. Getrennte Netzbereiche für vertrauenswürdige Geräte, IoT und einen besonders abgeschotteten Zugangsrechner begrenzen Kommunikationswege nach dem Least-Privilege-Prinzip. Der externe VPN-Zugang ist mit Mehrfaktor-Authentifizierung abgesichert und auf den tatsächlich benötigten RDP-Zugriff zum vorgesehenen System beschränkt.
Logging, Storage und Wiederherstellung
Firewall-Ereignisse werden zentral per Syslog auf einer Synology gespeichert. RAID/SHR, Btrfs, getrennte Berechtigungen, Snapshots und zusätzliche Datensicherungswege machen auch Storage, Protokollierung und Wiederherstellung zu Bestandteilen des privaten Test- und Betriebsumfelds.
BSI- und NIS2-orientierte Praxis
Segmentierung, Mehrfaktor-Authentifizierung, restriktive Administrationszugänge, Protokollierung, abgesicherter Fernzugriff und Wiederherstellung werden an Sicherheitsprinzipien aus professionellen Umgebungen sowie an BSI- und NIS2-orientierten Anforderungen gespiegelt. Das private Netz ist damit kein formell zertifiziertes BSI- oder NIS2-System, setzt aber viele der dort geforderten Grundprinzipien praktisch um.
Gerade diese Verbindung von privater Neugier und beruflicher Praxis zieht sich durch mehr als drei Jahrzehnte: Technik wird nicht erst beim Kunden kennengelernt. Wo es sinnvoll ist, wird sie vorher im eigenen Umfeld aufgebaut, bewusst auch an Grenzen geführt und langfristig betrieben. Das schafft Erfahrungen mit Wechselwirkungen, Fehlerbildern und Betriebsfragen, die in Schulungs- oder Laborsituationen allein oft nicht sichtbar werden.
Die öffentliche Darstellung beschreibt bewusst nur Architektur und Prinzipien. Sicherheitsrelevante Detailkonfigurationen, Zugangsdaten und unmittelbar angreifbare Informationen des privaten Netzes werden nicht veröffentlicht.
Enterprise-IT als praktische Schule
m+s bezeichnete sein damaliges Angebot selbst als „IT-Gesamtlösungen“. Consulting, Support und Service, Schulung, Hard- und Software, Repair-Center und Softwareentwicklung zeigen die Breite des damaligen Systemhausmodells.
Für den eigenen beruflichen Weg war diese Zeit besonders wichtig, weil große Kundenumgebungen nicht nur theoretisch, sondern im praktischen Einsatz kennengelernt wurden: Server bereitstellen, Hardware analysieren, Rollouts begleiten und Störungen in produktiven Umgebungen lösen.
Die genannten Unternehmen sind als Kundenumfeld beziehungsweise aus den eigenen beruflichen Aufzeichnungen dokumentiert. Namen einzelner Kollegen, Ansprechpartner oder Projektpersonen werden nicht veröffentlicht.

Große IT-Umgebungen statt isolierter Einzeltechnik
Die frühe Server- und Hardwarephase war eng mit großen produktiven IT-Umgebungen verbunden. Aus dieser Zeit stammt die Erfahrung, technische Einzelkomponenten immer als Teil eines größeren Betriebszusammenhangs zu betrachten.
Deutsche Börse
Arbeit im Umfeld der neuen IT-Ausstattung in Frankfurt. Der damalige m+s-Großauftrag umfasste umfangreiche Migration, Server- und Arbeitsplatzleistungen. Für den eigenen beruflichen Weg bedeutete das praktische Erfahrung in einer besonders anspruchsvollen Unternehmensumgebung.
Fraport / Lufthansa
Nach persönlicher Projekterinnerung gehörten Arbeiten an einer Rechenzentrumsumgebung in Kelsterbach für das eTix-Umfeld zu den Einsätzen dieser Phase. Solche Projekte verbanden Servertechnik, Rollout, Fehlersuche und Betrieb unter realen Produktionsbedingungen.
Finanzsektor
Zum damaligen Kunden- und Projektumfeld gehörten unter anderem DG Bank, Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank. Die Veröffentlichung beschränkt sich bewusst auf die Unternehmen; Namen damaliger Ansprechpartner oder Projektkollegen bleiben im internen Recherchebestand.

Vom Dachgeschoss zum herstellerübergreifenden Systemhaus
axxida steht für die Phase, in der technische Arbeit, Personalverantwortung, Ausbildung, Kundenprojekte und unternehmerische Entscheidungen unmittelbar zusammenkamen.
Die räumliche Entwicklung vom Dachgeschoss über provisorische Lagerflächen bis zum größeren Firmenstandort steht sinnbildlich für das schnelle Wachstum. Gleichzeitig wurde aus den zuvor erworbenen Server- und Netzwerkerfahrungen ein vollständiges Systemhausangebot aufgebaut.
Das historische Bild zeigt den Arbeitsplatz der frühen axxida-Zeit. Es wird als private Primärquelle verwendet.
Die Namen ehemaliger Beschäftigter, Auszubildender, externer Projektkräfte und Kundenansprechpartner bleiben ausschließlich im internen Recherchebestand.

Gemeinsam größere Aufgaben lösen
Schon als Kind lernte ich im Familienbetrieb in Wetter etwas kennen, das meinen späteren beruflichen Weg stark geprägt hat: Ein Betrieb muss nicht alles allein können, um umfassende Projekte erfolgreich umzusetzen.
In der Schreinerei und Zimmerei meines Großvaters erlebte ich, wie unterschiedliche Handwerksbetriebe miteinander arbeiteten und ihre jeweiligen Fähigkeiten in gemeinsame Bauvorhaben einbrachten. Für mich war dieses Denken deshalb lange vor meiner eigenen Selbstständigkeit selbstverständlich: Spezialisten zusammenbringen, verlässlich zusammenarbeiten und gemeinsam Leistungen anbieten, die ein einzelner Betrieb in dieser Breite kaum abdecken könnte.
Bei axxida zeigte sich dieses Prinzip später sehr deutlich. Neben dem schnell wachsenden eigenen Team entstand in kurzer Zeit ein großes Netz aus Herstellerpartnern, Fachunternehmen und Spezialisten. Dadurch konnten wir auch Projekte übernehmen, deren Anforderungen weit über eine einzelne technische Disziplin hinausgingen. Dieses Verständnis begleitet mich bis heute: Gerade große Projekte lassen sich häufig am besten gewinnen und erfolgreich umsetzen, wenn leistungsfähige Partner ihre jeweiligen Stärken zusammenführen.
Kundenkontinuität, Teamaufbau und technische Breite
axxida entwickelte sich nicht als reiner Computerhandel, sondern als herstellerübergreifendes Systemhaus. Server, Arbeitsplatzsysteme, Netzwerke, WLAN, Security, Datenbanken, individuelle Software, Telekommunikation sowie passive Netzwerkverkabelung und erste Elektroarbeiten wurden als zusammenhängende Kundenumgebung betrachtet.
Herstellerübergreifend
Zum technischen Umfeld gehörten unter anderem Fujitsu Siemens, HP/Compaq, IBM, Acer, MAXDATA, Kyocera, 3Com, Microsoft und Siemens. Die Auswahl richtete sich nach der jeweiligen Aufgabe und nicht nach einer einzigen Herstellerwelt.
Vom 10/100-Netz zum Gigabit
Die bereits aus Mailbox- und früher Netzwerktechnik vorhandene Erfahrung entwickelte sich weiter zu professionellen 10/100-MBit- und Gigabit-Netzen. Hinzu kamen passive Verkabelungsprojekte und damit zunehmend die physische Infrastruktur hinter Servern und Anwendungen.
Kundenkontinuität
Mehrere Kundenbeziehungen entstanden aus früheren beruflichen Kontakten. Zum Kundenumfeld gehörten unter anderem Havika Immobilienmanagement, Robert Mondavi Europe, später TxB International Finewines, FerHo Stahl, AWO Frankfurt/Südhessen und die Pensionskasse der Firma Schenker VVaG.
Eigene Neukundengewinnung
Parallel wurde ein eigener regionaler Kundenstamm aufgebaut. Beispiele sind Schwammel & Gnau Renault, die Freie Waldorfschule Marburg, die Marburger Altenhilfe St. Jacob gGmbH, RUWEL/Werk Schoeller, die Stadt Wetter, HEITEC Heißkanaltechnik sowie verschiedene regionale Handwerks- und Technologieunternehmen. Damit beruhte das Wachstum nicht allein auf übernommenen Kontakten.
Viele kleine soziale Installationen
Im AWO-Umfeld handelte es sich nicht um ein einzelnes Großprojekt, sondern um zahlreiche kleinere Installationen, häufig mit Arbeitsplatz und Internetzugang in sozialen Einrichtungen. Gerade diese Vielzahl kleiner Standorte stellte andere Anforderungen an Organisation und Service als ein zentraler Unternehmensstandort.
Großprojekt Deutsche Bahn
Ein größerer Auftrag für Deutsche Bahn band zeitweise mehrere Beschäftigte dauerhaft. Namen der eingesetzten Mitarbeiter werden auf der öffentlichen Website bewusst nicht genannt; für die Unternehmensgeschichte relevant ist die Größenordnung und die organisatorische Bindung des Projekts.
Mit dem Wachstum entstanden Funktionen für Geschäftsführung und Administration, technische Leitung, Außendienst und Service, Servertechnik, Software- und Datenbankentwicklung, Buchhaltung sowie Ausbildung. Ergänzt wurde das eigene Team durch externe Spezialisten und Partnerunternehmen. Diese Struktur erklärt, wie aus den ersten Räumen ein Systemhaus mit zeitweise rund zwanzig Beschäftigten werden konnte.
Weiterbildung entlang der Technikgenerationen
Die Zertifizierungen sind kein isolierter Lebenslaufblock. Sie spiegeln jeweils die Technik wider, die in der entsprechenden Phase praktisch eingesetzt wurde.
| Phase | Nachweise und Schwerpunkte |
|---|---|
| Frühe IT / Enterprise-Hardware | IBM OS/2 · Compaq/HP ProLiant · MAXDATA Server Engineer · Siemens Server · IBM ThinkPad Technical Engineer |
| Systemhaus | Microsoft MCSE und weitere Microsoft-/Infrastrukturthemen |
| Storage / Security | NetApp · Fortinet; NSE 1 und NSE 2 als historische, inzwischen abgelaufene Zertifizierungsnachweise |
| Kommunikation | Alcatel-Lucent/ALE OXE-Erfahrung · ACFE OXE (2012–2014) · ACSR/ACSE-Qualifikationen und Rezertifizierung 2026 · innovaphone Sales 2026 |
| ALE · Juli 2026 | ACSR OmniPCX Enterprise · Contact Centers · OmniVista Network Management · OXO Connect · Hybrid Passive Optical LAN · Purple on Demand · Rainbow Hub · Rainbow · OmniAccess Stellar WLAN · Network as a Service · LAN Network · zusätzlich ACPS OmniVista Cirrus/Terra |
Von der Computermaus zur künstlichen Intelligenz – fünf Gesetze der Softwareentwicklung
Früher habe ich Kollegen erklärt, wie man mit Maus und Office-Programmen arbeitet. Heute suche ich selbst gelegentlich nach einer Einstellung, die in der nächsten Programmversion wieder einmal umgezogen ist.
In der Schulzeit hatte ich mit BASIC und Turbo Pascal die Grundlagen des Programmierens kennengelernt; später kam SQL hinzu. Die Logik hinter Bedingungen, Schleifen, Datenstrukturen und zentraler Verarbeitung blieb über die Jahre nachvollziehbar. Das gilt auch für Technologien: Als ich bei ahd Citrix XenDesktop und VMware View kennenlernte, erschien mir die zentrale Bereitstellung von Desktops als folgerichtige Weiterentwicklung der früheren Terminalsysteme aus Bank und m+s-Zeit.
Die technische Grundidee ist also häufig erstaunlich beständig. Bei der Bedienoberfläche gilt dagegen offenbar ein anderes Prinzip. Daraus habe ich – selbstverständlich nicht ganz ernst gemeint – meine fünf Gesetze der Softwareentwicklung abgeleitet:
§ 1 – Die Sicherung des Entwickleransehens
Vor jeder funktionalen Weiterentwicklung einer Software ist zunächst deren bewährtes Bedienkonzept vollständig umzugestalten. Bereits vorhandene Funktionen sind möglichst an anderen Stellen unterzubringen, damit auch erfahrene Anwender die Gelegenheit erhalten, das Produkt neu kennenzulernen.
§ 2 – Die verpflichtende Umbenennung
Die bisherige Bezeichnung einer Funktion darf keinesfalls beibehalten werden, wenn sich ein modernerer Begriff finden lässt.
§ 3 – Der Schutz vor Gewohnheit
Funktionen, die der Anwender über mehrere Jahre zuverlässig an derselben Stelle gefunden hat, sind bevorzugt in Untermenüs, kontextabhängige Dialoge oder hinter möglichst unscheinbare Symbole zu verschieben.
§ 4 – Die pädagogische Verpflichtung
Jede neue Programmversion muss dem Anwender ausreichend Gelegenheit geben, seine bisher erworbenen Kenntnisse infrage zu stellen und die Bedienung erneut zu erlernen.
§ 5 – Der Nachweis des Fortschritts
Eine neue Programmversion gilt erst dann als ausreichend modernisiert, wenn ein langjähriger Anwender mindestens einmal im Internet nachschlagen muss, wo sich eine ihm seit Jahrzehnten bekannte Funktion inzwischen befindet.
Ob Word, Firefox oder Windows: Oft weiß ich noch genau, was eine Funktion macht – nur nicht, wo sie inzwischen zu finden ist. Immerhin kann ich heute eine künstliche Intelligenz fragen. Früher habe ich Menschen erklärt, wie sie Computer bedienen. Heute lasse ich mir gelegentlich von einem Computer erklären, wo ein anderer Computer seine Einstellungen versteckt hat. ;-)
Tempo als zweiter technischer Lebenslauf
Parallel zur beruflichen IT entwickelte sich aus dem Oldtimerinteresse eine internationale technische und historische Facharbeit. Typberatung, technische Analysen, Ersatzteilwissen, Originalunterlagen und Quellenforschung folgen dabei demselben Grundprinzip wie im Beruf: erst verstehen, dann dokumentieren und schließlich Wissen nutzbar machen.