Familien- & Zeitgeschichte

Stadtbrand 1649

Als am 31. März 1649 in der Unterstadt Feuer ausbrach, traf es keine unversehrte Stadt. Wetter hatte bereits Krieg, Einquartierungen, Seuchen und mehrere größere Brände erlebt. Der Brand von 1649 wurde dennoch zur Katastrophe, die das Stadtbild für Generationen veränderte.

Eine Stadt, die schon vor 1649 erschöpft war

Bereits 1622, 1626 und 1629 hatte es in Wetter größere Brände gegeben. Hinzu kamen die Belastungen des Dreißigjährigen Krieges. Als das Feuer 1649 ausbrach, waren Bevölkerung und Wirtschaft deshalb seit Jahrzehnten immer wieder unter Druck geraten.

Das Feuer beginnt in der Unterstadt

Der historische Stadtrundgang der Stadt Wetter nennt eine Bäckerei in der Unterstadt als Ausgangspunkt. Von dort griff das Feuer auf die eng bebaute Fachwerkstadt über.

Von den Wohnhäusern blieben nach der städtischen Darstellung nur drei Häuser am Marktplatz verschont. Kirche, Pfarrhäuser und Hospital überstanden den Brand ebenfalls. Die gelegentlich verkürzte Erzählung, in ganz Wetter hätten lediglich drei Gebäude überlebt, ist deshalb irreführend: Gemeint sind drei verschonte Wohnhäuser am Marktplatz.

Mit dem Haus verbrannte oft die Existenz

In einer Stadt, in der Wohnen und Arbeiten eng miteinander verbunden waren, bedeutete ein abgebranntes Haus weit mehr als den Verlust eines Daches. Werkstatt, Vorräte, Stallraum, Werkzeug und Waren konnten gleichzeitig verloren gehen. Der Brand traf damit nicht nur Gebäude, sondern unmittelbar die wirtschaftliche Grundlage vieler Haushalte.

Auch das ältere Rathaus wurde zerstört. Sein Nachfolgebau entstand 1680. Erst um 1700 erreichte Wetter nach Angaben der Stadt wieder ungefähr die Einwohnerzahl von 1600 – ein Hinweis darauf, wie lange Krieg und Brand nachwirkten.

Der Wiederaufbau ist bis heute sichtbar

Baustoffe, Arbeitskräfte und Geld mussten in einer ohnehin geschwächten Region organisiert werden. Der Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte. Gerade deshalb lässt sich das Ereignis noch heute im Stadtbild ablesen: erhaltene ältere Gebäude stehen neben Häusern, die erst nach 1649 entstanden.

Eine Hausinschrift von 1671 in der Krämergasse bittet um Schutz „vor Krieg und Brand und allem Leid“. Wenige Worte verbinden damit zwei Erfahrungen einer Generation: den Krieg, der 1648 geendet hatte, und den Stadtbrand des folgenden Jahres.

Der 31. März 1649 war deshalb kein einzelner dramatischer Tag, nach dem Wetter einfach wieder aufgebaut wurde. Der Brand war der tiefste Einschnitt am Ende einer jahrzehntelangen Krisenzeit – und der Wiederaufbau prägte die Stadt noch lange danach.

Quellen und Literatur